Ulrich, der Techniker

Wenn etwas aus dem Virtuellen ins Aktuelle kommen möchte (oder soll), gewinnt so ein Prozeß meist, wenn jemand sich zuständig macht, diesen Verlauf zu begleiten und zu sichern.

Ewald Ulrich: zwischen verschiedenen Referenzsystemen pendeln.

Sie kennen das Bonmot „Der Erfolg hat viele Väter“? Ein österreichischer Klassiker. Denn der Mißerfolg ist immer ein Waisenkind. Das Werden der Gleisdorfer ArgeKulturpakt hat zumindest einen verläßlichen Maschinisten. Unternehmer Ewald Ulrich (ANA-U) machte sich zur letzten Jahreswende daran, diesen jungen Prozeß zu koordinieren.

Was es nun wird, ist offen. Was er, nämlich Ulrich, schon ist, halte ich für bemerkenswert. Ich würde manchmal gerne in seinen Kopf schauen können, was freilich unmöglich bleibt. Mich interessiert, was genau in jemandem vorgeht, der abschnittweise ein sehr hohes Komplexitätslevel bearbeitet und bewältigt.

Ich bin in genau dieser Sache selbst nicht grade schwach aufgestellt, aber Ulrich faßt oft mehrere Genres zusammen, um in seiner Profession Ergebnisse zu liefern, die ja nicht – wie in meinem Metier – vor allem symbolische Güter sind, sondern praktische Dienstleistungen und Apparaturen, die funktionieren müssen. Sonst würde ihm die Kundschaft ärger machen.

Ulrich kommt von der Elektrotechnik, hat die Digitale Revolution der 1970er Jahre miterlebt, ist mit einer Mischung aus Feinmechanik und IT erfolgreich, befaßt sich ebenso mit Kryptographie. Wozu diese Einleitung? Weil Ulrich auch in künstlerischen Kategorien denkt. Da wird es richtig spannend; im Kontrast zu allerhand monokulturellen Genies unserer Branche.

Wie eben angedeutet, wo symbolisches und praktisches Denken sich verzahnen sollen, wird es anspruchsvoll. Das läßt erahnen: Künstler und Techniker schöpfen teilweise aus den selben Quellen. In der Umsetzung mögen sich dann die Wege gabeln, denn das praktische Produkt muß sich in einer nützlichen Aufgabenbewältigung bewähren. Beim symbolischen Gut ist das so nicht überprüfbar. Wahrnehmungserfahrungen sind ja etwas sehr Subjektives.

Viele Jahre Praxis im Kulturbetrieb.

Aber hier mag ersichtlich werden, weshalb Ulrich zwischen diesen verschiedenen Welten pendelt. Kognitive Leistungen, Erkenntnisgewinne und emotionale Erlebnisse haben in der Kunst einen speziellen Ereignisraum. Von dort läßt sich etwas mitnehmen, das in der Alltagsbewältigung nützlich wird.

Es ist also nicht die Kunst selbst, die nutzbar gemacht wird, sondern das, was die Befassung mit Kunst in einem bewirken kann. Ein feiner Unterschied, der uns seit der Antike geläufig ist. Einst bezeichnete der Begriff „techné“ gleichermaßen Wissenschaft, Handwerk und Kunst, während der Begriff „aisthesis“ sinnliche Wahrnehmung bedeutet, was zum Wort Ästhetik geführt hat.

Es möge der ArgeKulturpakt nützen, daß jemand geübt ist, diese Kategorien zusammenzudenken und das in eine konkrete Umsetzung zu bringen. Immerhin ist die Wissens- und Kulturarbeit ja kein Dekorationsgeschäft. (Siehe dazu auch: „Kulturpakt, nächste Phase“!) [Fortsetzung folgt!]

+) Die 16.06.26-Session (Veranstaltungsübersicht)
+) Gleisdorf: Kulturpolitik
+) ANA-U