Ich gehe davon aus, daß akute Probleme nur dann tauglich bearbeitet werden können, wenn es dazu einen stichhaltigen Befund gibt.

Mitte November 2025 war sogar Gleisdorfs Kulturreferent Karl Bauer überrascht, welche Krise sich im regionalen Kulturgeschehen plötzlich erkennen ließ. Wir haben dann erlebt, daß die meisten der Betroffenen, von denen öffentliche Äußerungen kamen, davon völlig überrumpelt schienen und keinerlei Strategie auf Lager hatten, um augenblicklich etwas abzufangen.
Oft geht in solchen Momenten viel Kraft in das Markieren von „Schuldigen“, statt sich in Analyse und Lösungsschritten zu engagieren. Inzwischen ist ein halbes Jahr vergangen und mir scheint, es regiert in meinem Milieu nach wie vor Ratlosigkeit.
Am 25. Jänner 2026 hieß es in der Kleinen Zeitung: „Was ist uns das kulturelle Leben noch wert?“ Am 21. März 2026 hieß es live im Gleisdorfer Rathaus: „Kulturgespräch: Was ist uns Kunst- und Kulturarbeit wert?“ Am 16. Juni 2026 wird es live im Gleisdorfer Rathaus wieder heißen: „Was ist uns die Kultur wert?“
Diese Frage hat, soweit der öffentliche Diskurs es erkennen läßt, bisher bloß Befindlichkeitsprosa, Betroffenheit und Ömpörung ausgelöst. Neue Konzepte und Strategien? Abwarten!
Wie kann das sein?
Ich habe dazu folgende Annahme. Erstens ist dieses Fragesatz sehr vage. Ich kann mir nicht vorstellen, wie auf diese Ungenauigkeit eine kohärente Antwort zu formulieren wäre. Zweitens drückt diese Reaktion das Denken aus dem vorigen Jahrhundert aus. Ich kann mir nicht vorstellen, wohin so eine antiquierte Pose in der aktuellen Zeitenwende führen soll.
Vor allem blieb bisher völlig unklar, wer da spricht, wer sich dabei an wen wendet, was ich mir überhaupt unter diesem „Uns“ vorstellen soll. Daher mein Fazit: Was bisher unter dieser Frage laut wurde, ist nicht mehr als eine Ersatzhandlung. Aber wofür?
Na, zu Beispiel, für das Erstellen eine relevante Liste an offenen Fragen, um diese zu bearbeiten. Wovon könnte so eine Liste handeln? Vielleicht von konkreten Punkten, was in einem Gemeinwesen heute kulturell notwendig erscheint und daher sichergestellt werden sollte.
Nun konkreter
Anders ausgedrückt: Wovon handelt Wissens- und Kulturarbeit auf der Höhe der Zeit, damit ein Gemeinwesen an Zukunftsfähigkeit gewinnt? Wie und womit können entsprechende Vorhaben ausgestattet werden? Für welche der erkannten Aufgaben sind 1) das Land und 2) der Bund zuständig, wofür 3) die einzelne Kommune? Was sollten 4) Privatpersonen leisten (etwa über Vereine) und was 5) die Wirtschaft?
Das meint 1) bis 5) die drei Sektoren Staat, Markt und Zivilgesellschaft. Dazu natürlich auch die Frage, was speziell Kunst- und Kulturschaffende bei all dem an Verantwortung übernehmen werden und was deren Beitrag zur Erledigung anstehender Aufgaben sein mag.
Ich weiß schon, von der Voodoo-Fraktion hören wir dann: „Wir sind Künstler, unser Beitrag sind die Kunstwerke!“ Wie eingangs erwähnt, Denken aus dem vorigen Jahrhundert, wenig geeignet, in der aktuellen Zeitenwende anstehende Aufgaben zu erfüllen.
+) Gleisdorf: Kulturpolitik (Übersicht)