Was es wiegt, das hat’s XXVII: Leistungsaustausch I

(Beiträge und Fragen zu einer nächsten Kulturpolitik)

Nicht alles, was eine Kunst ist, ist auch Kunst. Sprache ist Handeln. Begriffe erzeugen Realität. Der Staat fördert mich nicht, er leistet bei Deals seinen Teil. Wir müssen reden! Also der Reihe nach. Ich bin Künstler. Das ist mein Beruf. Daher hängt auch mein Broterwerb damit zusammen.

Die Politik sagt: „„Wir finanzieren Eure Wünsche.“ Wer schweigt, stimmt zu!

Das ist aber keine Kategorie der Kunst, sondern eine soziale Kategorie. Wie erwähnt, der Staat fördert mich nicht. Außer er bietet mir ein Stipendium an. Oder einen Preis, der mit Geld verbunden ist. Wer mir darüber hinaus von Förderung spricht, wo wie Deals haben, trägt dazu bei, einen veralteten Obrigkeitsbegriff im Amt zu halten. Wer das tut, wird dafür Gründe haben. Die sollen beachtet und betrachtet werden.

Da war diese Stunde, als der damalige Weizer Kulturreferent und Nationalratsabgeordnete Christian Faul eine meiner Veranstaltungen sprengte und niemand von den anwesenden Kräften des Landes Steiermark und der Region eingriff. Das Originalzitat laut Tondokument: „Wir finanzieren Eure Wünsche. […] Die Ideen von Ihnen finanzieren wir. Das ist Aufgabe der Politik.“

Diese Ansicht wurde hier bis heute nicht revidiert. Ich komme später noch darauf zurück, wer aus der Funktionärswelt kommentarlos in diesem Kielwasser geblieben ist, somit diese Position bestätigt hat. Der unethische Auftritt des Parlamentariers macht deutlich, was alles in unserer Kulturpolitik weitgehend ungeklärt ist.

Nicht Berufung, Beruf!
Wie erwähnt, Künstler ist mein Beruf. Daher interessieren mich Marktsituationen, Budgetlagen, kulturpolitische Konzepte und überdies Inhalte wie Zustand des öffentlichen Diskurses. Wofür werde ich bezahlt? Wie verdiene ich mein Brot? (Berufung ist dagegen etwas Intimes und kulturpolitisch irrelevant.)

Die Kunst betreffend
+) Man kann Werke von mir kaufen.
+) Man kann das Nutzungsrecht an einem meiner Werke bezahlen.
+) Man kann mir Honorare für Beiträge zu Kulturprojekten und Veranstaltungen bezahlen.

Wissens- und Kulturarbeit betreffend
+) Ich verdiene Geld in kunstnahen Bereichen.
+) Ich vermarkte Kompetenzen, die ich unter anderem aus meiner Kunstpraxis bezogen hab.
+) Man kann mich für Dienstleistungen und Texte bezahlen.

Das betrifft Leistungen, die nicht unmittelbar mit meiner Kunstpraxis zusammenhängen, dank derer ich mich aber in einem Leben als Künstler ernähren kann. Falls es Ihnen noch niemand gesagt hat: Nur ein sehr kleiner Anteil von Künstlerinnen und Künstlern Österreichs kann aus rein künstlerischer Arbeit ein adäquates Jahreseinkommen erwirtschaften.

Mehr gibt der Markt nicht her. Alle anderen, zu denen auch ich zähle, setzen gesamt eine Vielzahl von Lebenskonzepten um, damit ein ökonomisches Überleben gelingt. Daß dabei Hobby-Leute, aber auch Trickser und Trittbrettfahrer unsere Marktsituation verschärfen, ist evident und banal. [Fortsetzung folgt!]

— [The Long Distance Howl] —

PS:
Auf dem Foto sehen Sie von links: Sandra Kocuvan, damals zuständige Fachreferentin der Landeskulturabteilung (Schwerpunkt EU LEADER Kultur), Christian Faul, damals Weizer Kulturreferent und Parlamentarier, Gerald Gigler, damals als Fachreferent des Landes für den Gesamtbgereich EU LEADER (Entwicklung im ländlichen Raum) verantwortlich.

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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