Geschichte der immateriellen Dinge

Die „Talking Communities“ ergeben seit Jahren eine Reihe von Abenden, an denen das Gespräch dominiert. Wer eine Ahnung hat, spricht, andere hören zu, das gehörte wird debattiert. Technische Mittel sind bei den Vortragenden nur in sehr dringenden Fällen im Spiel.

Historiker Karl Stocker

Historiker Karl Stocker in Gleisdorf


Bei der jüngsten Session mit Karl Stocker hatten wir uns erneut geeinigt, daß es ohne Projektor und Leinwand gehen wird, obwohl sein Thema einen sehr starken Bereich des Visuellen hat: „Von der Geschichte des Designs zu einer Geschichte der immateriellen Dinge“.

Die Stocker-Session erwies sich als wichtiger Beitrag zum Anliegen, das wir in unser 2015er Kunstsymposion gepackt haben: Eine Epoche begreifen. Mit dieser Intention war der aktuelle Programmblock auch im vergangenen April angekündigt worden: [link]

Historiker Karl Stocker meinte in seinem Vortrag [link] in der Stadtapotheke Gleisdorf (20.10.2015), Design sei erfolgreich, wenn man es nicht bemerke. („Design ist nicht, daß man schwarz angezogen ist und cool aussieht.“)

Er bevorzugt klare Statements. Die praktische Erfahrung zeige meist: Leg einem Kunden drei Entwürfe vor, er nimmt sicher den schlechtesten. Laut Stocker diene der Designer einer Sache. Der Künstler im Metier sei meist die Ausnahme.

Ein Beispiel für diese Sonderposition: Stefan Sagmeister [link] Ein wichtiger Wendepunkt in der Geschichte sei das, was Baudrillard „Der Aufstand der Zeichen“ genannt habe. Das Buch dazu: Jean Baudrillard: „Kool Killer oder Der Aufstand der Zeichen“ [link]

Die Zeichen entfernen sich vom Inhalt. Ästhetik wird wichtiger als der Gebrauchswert. Später: die Quelle des Reichtums verlagert sich immer mehr auf das Konzeptionelle. Der zugefügte Wert entsteht durch Transaktionen. (So wie der Profit aus Kurswechselgeschäften.) Stocker bezog sich in einigen Punkten auf Robert Bernard Reich: [link]

Drei beachtenswerte Kategorien bei Reich:
+) Routinemäßige Produktionsdienste
+) Kundenbezogene Dienste
+) Symbolanalytische Dienste

Hier kam auch Jeremy Rifkin mit seiner Auffassung von „Wissensarbeit“ zur Sprache. Wir redeten ferner über den „Prosumer“ = Mischung aus Produzent & Konsument. Stocker sagte über den Symbolanalytiker augenzwinkernd, er müsse immer gut aussehen und cool auftreten, er dürfe sich auch nicht anmerken lassen, wenn er projektbedingt durchhänge, denn so würde man kein neues Projekt akquirieren können.

An andere Stelle betonte Stocker, Messe, Mall und Museum wären heute eigentlich äquivalent, wobei das Museum inzwischen eher nachhinke.

Wir haben die Veränderungen von Arbeitsweisen, Produktions- und Lebensbedingungen zu beachten. Darin sind wohl auch Ansätze für die aktuelle Arbeit von Kunst Ost & Kultur.at zu sehen.

In der Nachbesprechung wurden nächste Arbeitsschritte vereinbart

In der Nachbesprechung wurden nächste Arbeitsschritte vereinbart

Das sollte sich mit dem verknüpfen lassen, was wir aktuell im Kontext KWW bearbeiten. Siehe dazu Kerstin Feirer: „Eigene Rollen anderen zur Verfügung stellen!“ [link] (Das werden wir übrigens in unserer kommenden Synergie-Konferenz bearbeiten.

Zur privaten Lektüre ist ein Skript verfügbar, in dem Sie Details dieses Vortrages nachlesen können. Anforderung per Email an: [link]

— [Generaldokumentation] —

 

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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