Die Künstlerhaus-Debatte #5

Der Staub legt sich, Klarheit nimmt zu

Das Grazer Feuilleton ist gerade nicht um große Klarheit in der Sache bemüht. Aber angesichts des Joanneum-Jubiläums mit seinen Themen darf man das vielleicht auch augenblicklich kaum erwarten. Immerhin gingen sich ein paar schneidige Headlines aus.

Wer wird über das Künstlerhaus verfügen können?

Und immer wieder mein Gedanke: Was kann zur Zeit gewußt werden? Künstlerin Eva Ursprung müht sich mit großer Zähigkeit, beim Ordnen und Klären des Status quo Transparenz herbeizuführen. Ich muß ein paar Punkte aus dem vorigen Eintrag [link] revidieren. Wo steht also die Sache inhaltlich und wer ist in der Sache aufgestellt?

Mir scheint, wir haben momentan
a) eine „Diskurs-Partie“ und
b) eine „Konzept-Partie“
… natürlich mit einigen Überlappungen.

Aus der „Diskurs-Partie“ kam kürzlich ein sehr interessantes kulturpolitisches Papier, das ich deshalb „Einser-Papier“ nenne, weil es das erste kohärente Dokument ist, das in dieser laufenden Debatte als profunde Arbeitsgrundlage für den Weg zu Handlungsplänen dienen könnte. Es trägt den Titel „Zur Lage der bildenden Kunst in Graz“ [link]

Dieser Text ist von 15 Personen unterzeichnet, unter ihnen so versierte Kräfte wie Reinhard Braun oder Astrid Kury. Inzwischen erfahre ich, daß auch der schon erwähnte, aber noch nicht publizierte „30-Seiter“ von diesen Personen stammt. Hier scheinen sich also inhaltliche Kompetenz und praktische Erfahrung zu bündeln, um einen kulturpolitischen Diskurs zu speisen. Das klingt für mich sehr vielversprechend.

Unter dem gleichen Titel, nämlich „Zur Lage der bildenden Kunst in Graz“, hat übrigens auch Joanneum-Boss Peter Pakesch eine Stellungnahme veröffentlicht: [link]

Dann wäre da noch das „Manifest“ der IG Kultur Steiermark, in meiner Diktion: „Der Wunschzettel“. Dieser Wunschzettel ist, so erfuhr ich, das Ergebnis einer Session von „15 am papier beteiligten künstler*innen und kulturschaffenden“, die auch Teil jener themenbezogenen Mailinglist sind, zu der die IG Kultur eingeladen hat. Eva Urpsung betont allerdings, daß die IG Kultur hier zwar Promotorin sei, doch nicht die „big mama“ dieser Runde.

Dort haben sich im Augenblick rund 40 Personen aus der Branche eingefunden. Die Page: [link] Das PDF-Dokument: [link] Wollen wir doch voller Zuversicht annehmen, daß 15 Leute aus unserem Metier die Kraft haben, aus einem simplen Wunschzettel noch ein richtiges „Manifest“ zu machen. Die Kommunikation nach außen soll sich bei dieser wachsenden Gruppe über jene schon erwähnte Website ereignen, die seit gestern online ist: [link]

Künstlerin Eva Ursprung

Eva Ursprung ringt energisch darum, daß sich eine möglichst heterogene Community in jene Prozesse einlassen möge, welche zu einem Konzept führen sollen, die auf ein selbstverwaltetes Haus weisen. Dabei geht es ihr um „die erprobung basisdemokratischer, kollaborativer prozesse“; eine sehr anspruchsvolle Intention.

Ein selbstverwaltetes Haus ist höchstwahrscheinlich nicht ganz nach dem Geschmack der „alten Verbände“, die momentan von Künstlerin Beate Landen vertreten werden. Die Ansprüche dieser Verbände haben a) historische Dimension und werden b) in der Repräsentanz von rund 400 steirischen Kunstschaffenden begründet. Ein Konzept der Verbände soll bei Landeskulturreferent eingelangt sein; neben einigen anderen Konzepten, deren Absender Buchmann genannt hat, deren Inhalte wir noch nicht kennen: [link]

Peter Pakesch hat zum Thema Künstlerhaus schon wissen lassen, er könnte zwar, müßte aber nicht unbedingt: [link] Im Grazer Stadtmuseum herrscht eher Zurückhaltung bezüglich Mitteilungen. Die Kleine Zeitung berichtete im Oktober: „Museumschef Otto Hochreiter ist für diesen Vorstoß offen, er hat auch bisher im Stadtmuseum regelmäßig Ausstellungen Grazer Künstler gezeigt.“ Es gehe um einen Dialog mit den Vereinen: [link]

Nun bin ich neugierig, was der 30-Seiter zeigen und zur Debatte stellen wird, ob aus dem IG Kultur-Wunschzettel noch ein richtiges Manifest wird und was der Landeskulturbeirat über die eingereichten Konzepte verlautbaren wird. Es ist also eine Zeit, in der nun gestellte Ansprüche mit Taten unterlegt werden müssen.

[Die Debatte: Übersicht]

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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2 Antworten auf Die Künstlerhaus-Debatte #5

  1. Danke für diese klärende Zusammenfassung, der krusche!

    Ich schaue mit Interesse auf eure basisdemokratischen, kollaborativen Prozesse und bewundere die Zähigkeit von Eva Ursprung, einer Kollegin mit Kraft, Vision und Verantwortungsbewußtsein. Sie weiss was sie tut, zieht andere mit ins kulturpolitische Experiment, fordert zum Denken und Argumentieren heraus, öffnet sich damit über die Stadt hinaus. Das Ganze ist in Graz gerade jetzt von höchster Brisanz. Es hat gute Chancen, da ihr meines Erachtens diese basisdemokratische Form dem „geschlossenen System“ in Graz überzeugend entegegenhaltet. Daher berichten auch die Medien.
    Dass es ein KünsterlerInnenhaus für ALLE steirischen Kunstschaffenden sein soll, macht den Radius auf und ladet zur Mitarbeit ein, zumindest zum Mitdenken aus der Ferne. Ich fühle mich angesprochen, kann aber derzeit nicht mitarbeiten sondern nur etwas aus der Szene hier berichten: Wir haben hier in Wien ein Netzwerk, eop – emergence of projects, ich bin ein Teil davon. Dies ist eine Plattform und ein Pool an Kompetenzen gleichzeitig und wir teilen die Überzeugung, dass es Zeit ist, nicht nur zu kritisieren sondern auch zu handeln und etwas hinzustellen als KünstlerIn. http://www.eop.at besteht aus KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen (seit 2003)und hat Ausstellungen und Projekte gemacht, wo deren (heterogene) Mitglieder sich etwas zusammen einfallen lassen und es mitverantwortlich durchführen, auch wenn das nicht immer leicht ist. Zu Beginn hatten wir einmal im Monat im Kunsthaus Essl große Gesprächs-Runden mit (professionellem) Gruppenleiter, der uns auch das Format „open space“ nahebrachte. Die Initiatorin Helga Köcher sieht eop als eine Art eigenes Kunstprojekt, sie bringt ihrerseits auch die richtigen Leute zusammen, ladet ein, betreut die Website, wo laufend Ausstellungen und Vorträge der „eops“ angekündigt werden. Was also Mitglieder einbringen ist der Inhalt, die Kraft und die Gestalt, wenn jedoch nichts von jemand (oder einer Gruppe) verantwortet wird, dann passiert dort auch nichts.

    Gertrude Moser-Wagner, Projektkünstlerin aus Wien, geb. in der Stmk und Sympathisantin eines Modells „KünstlerInnenhauses Graz“

  2. der krusche sagt:

    >>Ich fühle mich angesprochen, kann aber derzeit nicht mitarbeiten sondern nur etwas aus der Szene hier berichten:<< ich finde das enorm wichtig! daß nämlich auch erfahrungen aus anderen zusammenhängen, von anderen orten einfließen. ich hoffte, mehr kreative leute würden nun auch auf solche art "nicht mitarbeiten" ;-))) also außensicht, andere erfahrungen, andere zugänge in die debatten einbringen.

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