Selbstverständlich sind auch und vor allem Kunst und Kultur Felder für einen permanenten Status-Wettbewerb. Das in Abrede zu stellen wäre pure Heuchelei.

Dabei finde ich zwei wesentliche Arten von Status-Signalen vor. Ein kostspieliges und ein preiswertes. Das kostspielige Status-Signal ergibt sich aus der konsequenten und tiefgehenden Befassung mit Inhalten und Methoden der Gegenwartskunst, gestützt auf erkennbares Talent. Dafür muß man wesentliche Teile seines Leben einsetzen, der verfügbaren Kraft und Arbeitszeit.
Das preiswerter Status-Signal komm von der Hobby-Liga, aus dem Lager der Voluntary Arts. Man wertet das eigene Leben damit auf, daß man in der Freizeit künstlerische Techniken praktiziert. (Dazu ist Talent keine Bedingung.)
Hier kann erst dann zu einer Verwechslungsgefahr kommen, wenn jemand in der Hobbyliga so markant begabt ist, daß sich selbst aus sporadischer Praxis hochwertige Arbeiten ergeben; was freilich selten vorkommt.
Bei den Hobbyleuten können Sie mit ausreichender ästhetischer Erfahrung bezüglich Malerei leicht feststellen, wie sicher der Strich ist, wie versiert die Anwendung von Farben, von Licht und Schatten, wie gut oder unzureichend Proportionen, Perspektiven oder die menschlich Anatomie beherrscht werden.
Der Unterschied macht den Unterschied! Den merke ich auch in der Literatur leicht, falls ich mich auf ausreichende Belesenheit stützen kann. Holpernde Lyrik, banale Metaphern, hölzerne Prosa, schwacher Wortschatz, Unsicherheit im Sprachstil, diese Aspekte offenbaren sich unerbittlich.
Eine Geige, eine Gitarre, ein Saxophon und all die anderen Musikinstrumente, verbergen keine Schwächen und Fehler. Das gesprochene Wort ist im Klang ohne die Möglichkeit zum Betrug. Derlei Betrachtungen können Sie beliebig fortsetzen.
Wer diese Aspekte in der Kulturpolitik und im kulturpolitischen Diskurs ausblendet, ignoriert, oder gar leugnet, korrumpiert das Gemeinwesen. Es finden sich laufend Beispiele für Malversationen auf diesen Gebieten.
Schließlich geht es im Gemeinwesen immer auch darum, einander den eigenen sozialökonomischen Status mitzuteilen. Da meinen auffallend viele Leute, es ließe sich in den Genres Kunst und Kultur etwas deichseln, was einem in konventionellen Branchen keinesfalls gelingen würde.
Es finden sich auch immer wieder Beispiele, wo jemand bezüglich Sozialprestige im ursprünglichen Beruf die Decke erreicht hat, folglich glaubt, auf dem Kulturfeld ließe sich da noch etwas an Steigerung der Reputation eher leicht erreichen. Das ist verlockend, weil die Sache mit den Statusfragen ein Leben lang nie aufhört. Dabei setzen eben recht viele Leute auf billige Statussignale, statt sich für teure Statussignale zu qualifizieren.