Zwischen der kulturpolitischen November-Krise Gleisdorfs im Jahr 2025 und der aktuellen Wahlkampferöffnung für 2030 durch die FPÖ wurde deutlich, daß die Genres Kunst und Kultur zu einem Spielplatz für den Kampf um verschiedene Interessensziele geworden sind.

Zwischen der kulturpolitischen November-Krise Gleisdorfs im Jahr 2025 und der aktuellen Wahlkampferöffnung für 2030 durch die FPÖ wurde deutlich, daß die Genres Kunst und Kultur zu einem Spielplatz für den Kampf um verschiedene Interessensziele geworden sind.
Es ist ein Hegemoniestreit erkennbar und beschreibbar. Als gelernter Österreicher kenne ich die Tendenz, Wahlkampf nicht als einen Wettstreit der besseren Ideen für das Gemeinwesen zu führen, sondern indem man Andersdenkende herabwürdigt.
Das erspart einem die seriöse Arbeit an der eigenen Identität. Diese Strategie heißt „Selbstdefinition durch Feindmarkierung“. Wer so vorgeht, mißbraucht die Genres Kunst und Kultur, beschädigt so unter anderem die Zukunftsfähigkeit eines Gemeinwesens.
Was der Fall ist
Mit Hegemoniestreit meine ich, da wird derzeit gestritten, wer sagen darf, was es ist, um die eigene Auffassung gegen andere Auffassungen als vorrangig durchzusetzen. Das geschieht, indem man Aufmerksamkeitsökonomie bedient und sich bemüht, im öffentlichen Diskurs eine möglichst stabile Position zu schaffen, auszuweiten.
Bei all dem geht es auch um Semantik: Was genau bezeichnen die Begriffe, die verwendet werden? Kleinbürgerliche Romantik handelt gelegentlich davon, dem Kunstfeld „höhere Werte“ zuzuschreiben und den Kunstschaffenden die Vertretung „höherer Werte“ abzuverlangen, welche dann aber bloß vage definiert sind. Das ist purer Unfug.
Wir können über Ethos reden, wenn wir halbwegs klare Begriffe haben. Jedes Kunstwerk, falls es veräußert wird, ist Objekt eines Deals. Egal, ob Artefakt, Idee oder Prozeß. Die Basis des Vorgangs ist in jedem Fall ein Leistungsaustausch. Dabei tauschen wir oftmals materielle und immaterielle Güter gegeneinander aus.
Ich werde darauf noch näher eingehen. All das hat ja auch damit zu tun, wie wir den Mitmenschen unseren jeweiligen sozioökonomischen Status mitteilen. Da geht es um soziale Marker und darum, daß es Kompetenzen gibt, die nicht beobachtbar sind, aber für unseren sozialen Rang eine Rolle spielen
Offenkundig müssen wir in diesem Hegemoniestreit erst einmal klären, mit welchen Begriffen da die Diskurse geführt werden; aber auch, was denn nun Kategorien der Kunst sind und was andere Belange betrifft.