Gleisdorf: Die Hegemonie-Frage

Ich hab gelegentlich schon notiert, daß mir scheint, in der Region sein eine Art kulturpolitischer Hegemoniestreit ausgebrochen.

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Das bedeutet, verschiedene Lager ringen um Definitionshoheit und versuchen, ihre eigene Position als vorrangig durchzusetzen; zu Lasten der anderen Positionen. Ich nehme an, das sind ganz banale Prozesse in einer pluralistischen Gesellschaft, die Antwortvielfalt für eine Demokratie als unverzichtbar einstuft.

Das kann also nicht bekämpft werden, dem muß man sich auf der Diskursebene stellen. Eine interessante Aufgabe! Ich bin seit rund 50 Jahren als Künstler aktiver Teil des steirischen Kulturgeschehens. Durch diese Jahrzehnte zieht sich die Erfahrung, daß es oft recht abenteuerliche Verfahren gibt, um aus diesem Bereich individuellen Nutzen zu ziehen.

Ich meine Wissens- und Kulturarbeit, einschließlich der Kunstpraxis. Das ist mein Metier. Mein Beruf: Künstler. Wer das als Freelancer lebt, muß sich auf verschiedene Lebenskonzepte verstehen, denn Kunstpraxis reicht gewöhnlich nicht für den Broterwerb.

Zur sozialen Lage
Österreichs Markt bietet keinen zehn Prozent der Freischaffenden des Landes die Möglichkeit, mit rein künstlerischer Tätigkeit ein passables Jahreseinkommen zu erwirtschaften. Das ist keine Frage der künstlerischen Qualität, sondern der Marktfähigkeit auf einem ganz engen Feld. Kurz: der österreichische Kunstmarkt gibt diesbezüglich nicht viel her.

Da aber mein Broterwerb eine soziale Kategorie und keine Kategorie der Kunst ist, bleibt diese Trennung unspektakulär, ist außerdem der dominanten Standard in der europäischen Kunstgeschichte der letzten tausend Jahre.

Es war nie allgemein üblich, daß eine Gesellschaft künstlerische Arbeit ausreichend hoch bewertet, um Kunstschaffende von allen anderen Aufgaben freizustellen. Solche Art künstlerischer „Priesterschaft“ ist bloß der feuchte Traum einer kreativen Voodoo-Fraktion und bis heute ohne Belege aus dem Regelbetrieb.

Mein Status
Leute wie ich sind EPU = Einpersonenunternehmen; mit den ganz simplen unternehmerischen Risiken jeder EPU. Diese über 90 Prozent der freischaffenden Künstlerinnen und Künstler Österreichs gehören also zu jenem EPU-Segment, das mehr als 60 Prozent der heimischen Betriebe ausmacht. Mit den KMU = Klein- und Mittelbetriebe zusammengenommen stellen wir daher über 90 Prozent der heimischen Betriebe.

Das ist die soziale Realität meiner Branche, die zu beschönigen ich für Mumpitz hielte. Um mein Brot zu verdienen, brauche ich Marktfähigkeit und Medieninteresse, denn nur so wächst die Reputation, aufgrund derer ich Kunden und Aufträge gewinne. Nur so läßt sich meine Existenz als Freelancer sichern.

In diesen Zusammenhängen liegen Gründe, weshalb ich keinen Spaß verstehe, falls sich jemand in diesem Genre breit macht, ohne die Arbeit erkennbar ernst zu nehmen, falls jemand dabei materielle oder immaterielle Güter bloß lukriert, um die Selbstrepräsentation aufzubrezeln. (Das nenne ich Schmutzkonkurrenz.)

Die übelsten Konsorten sind dabei jene, denen die Wissens- und Kulturarbeit bloß dazu dient, ihre Selbstdefinition durch Feindmarkierung vorzunehmen, statt sich über eigene Kompetenzen zu definieren. Da werden wir im Anlaßfall kollidieren…

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