Wenn es im Kulturbetrieb vor allem um Kunst ginge, wäre das für die meisten Menschen vermutlich ein Orchideenfach, für das man sich interessiert oder auch nicht.

Aber das Kulturgeschehen eines Ortes ist mit einer Fülle von Funktionen befrachtet. Dabei ist die Qualität des geistigen Lebens eines Gemeinwesens offenbar nicht die wichtigste. Vor allem anderen sehe ich da die Arena eines öffentlichen Statuswettbewerbes eingerichtet.
Der Mensch ist ein Wesen, das dazu neigt, in Gemeinschaft zu leben. Das ungefähr ist mit der Bezeichnung „Zoon politikon“ (Aristoteles) gemeint. Unser Begriff Politik leitet sich auch aus dem Denken jener Zeit her. Was das Gemeinwesen (die Polis) betrifft, wurde politiká genannt. Politik entsteht dann erst, wenn das Funktionärswesen und Amtstragende („Staatskunst“) mit der Zivilgesellschaft kooperieren.
Dazu muß Kommunikation zwischen diesen Sektoren gelingen. Dabei handeln Menschen, die ganz unterschiedlichen sozioökonomischen Status haben. Wie vorhin schon – mit Berufung auf Paul Watzlawick – notiert: „Man kann nicht nicht kommunizieren“. Alles in der Begegnung von Menschen ist auch Mitteilung.
Über Haltung, Dresscode, Mimik, über Aussagen (mit ihrem Kontext und Subtext) senden wir einander Botschaften. Dazu gehören ständige Statusmitteilungen in einem permanenten Statuswettbewerb. Welche Qualitäten möchte ich betonen? Welchen Makel kann ich mir zu zeigen leisten? Was will ich verbergen?
Das bedeutet ja auch: Was hab ich drauf? Wozu bin ich in der Lage? In der konkreten Kompetenzlage zeig sich kann, ob jemand billige oder teure Statusmitteilungen macht. Auf mein Genre bezogen, also auf die Wissens- und Kulturarbeit, Kunst eingeschlossen, bedeutet das: Mir reichen in der Regel fünf Minuten Gespräch, um zu erkennen, ob jemand von der Materie wirklich eine Ahnung hat, oder nur daherplaudert, was man unterwegs so aufgeschnappt hat.
Wirklich eine Ahnung zu haben verlangt, daß man sich auf einem längeren Weg, Kenntnisse, Wissen, fundierte Ansichten erworben hat. Das macht teure Statusmitteilungen möglich. Daherplaudern, was man so aufgeschnappt hat, das reicht bloß für billige Statusmitteilungen.
Niemand zwingt Sie, in einem bestimmten Genre sachkundig zu werden. Aber wenn Sie sich in meinem Genre öffentlich exponieren, sollten Sie es sein.