Kulturpolitik: Gleisdorf wankt

Dies ist der erste Tag des neuen Jahres. Ich habe als aktiver Künstler ein fundamentales Interesse am aktuellen kulturpolitischen Zustand der Kleinregion Gleisdorf.

Welcher Kuchen wird wie verteilt werden?

Seriöse Wissens- und Kulturarbeit setzt voraus, daß wir bei Kunst Ost und im Archipel gegen Ende 2025 längst geklärt haben, was wir mindestens im ersten Halbjahr 2026 machen wollen und mit welchem Mitteln das realisiert werden kann. (Genau! Planung.)

Wir haben unsere Hausübungen längst erledigt und sind unterwegs, das umzusetzen. Leider können wir uns dabei weder an der Kommune Gleisdorf, noch an der Basis des „Kulturpakt Gleisdorf“ orientieren. Ich hatte in der Glosse „Gleisdorfer Status“ das zutreffende Termin-Schema schon skizziert.

Eine aktuelle Zusammenfassung
+) 10. September 2025: Vorstellung des Kulturpakt-Programmes für September bis Dezember.
+) 2. Dezember 2025: Kultur-Stammtisch des „Kulturpakt Gleisdorf“.
+) 10. Dezember 2025: Kulturpaktbeauftragte Eva Lassnig schickt einen Call aus: „Umfrage: Zukunft des Kulturpakt Gleisdorf“ unter dem Titel „When we share, we win!“.
+) 15. Dezember 2025: Kulturreferent Karl Bauer schildert den Status quo in der Sitzung des Gemeinderates Gleisdorf [Youtube]

Ich hab mir am 1. Jänner 2026 den Status des Aufrufs „When we share, we win!“ angesehen. Es haben bloß 15 Personen überhaupt vorbeigeschaut. In gerade einmal sieben Tagen (2025-12-10 bis 2025-12-17) haben nur acht Personen einen Kommentar hinterlassen. Darunter kein einziger kulturpolitisch relevanter Vorschlag oder Hinweis auf eine kulturpolitische Position an der Basis.

Wie genau hängt im Rathaus der Haussegen?

Nach meiner Erfahrung aus immerhin rund 50 Jahren in diesem Betrieb möchte ich das so zusammenfassen: Der „Kulturpakt Gleisdorf“ ist auf der zivilgesellschaftlichen Seite praktisch tot. Von dort kam überhaupt nichts Substanzielles, da ja immerhin seit dem 2.12.25 (Kultur-Stammtisch) mindestens irgendetwas vom Kommenden klar gewesen sein mußte.

Und die Kommune? Kulturreferent Karl Bauer notierte am 31.12.25 auf Facebook: „2026 wird das Jahr der kulturellen Veränderungen! Kulturpakt, MiR, Kulturkeller und das Sommerprogramm werden neu aufgestellt. Kulturpolitisch haben wir tragfähige Alternativen entwickelt, die im neuen Jahr weiter bearbeitet werden. Der Erhalt und evtl. der Ausbau der Einrichtungen sind bei gutem Willen auch ausserhalb des Gemeindebudgets möglich, da es dafür eine gute Basis gibt. Dies setzt eine Zusammenarbeit mit Stärkung der Eigenverantwortung und Ehrenamtlichkeit in der Region voraus! Ich wünsche euch Allen dazu ein steirisches ‚Glück auf‘ 2026!“

Das bedeutet für mich als Künstler der Region und als Vorstandsmitglied des „Archipel“: Obwohl mindestens seit November 2025 im Rathaus Beschlüsse gefallen sein müssen, die zu Verschiebungen der kulturpolitischen Verfassung Gleisdorfs führen, und obwohl am 2. Dezember 2025 der Kulturpakt getagt hat, was heißt, Gleisdorfs Verwaltung war aktiv, habe ich heute ab-so-lut nichts in Händen, was der Arbeitsplanung für 2026 dienlich wäre. [Fortsetzung]

+) Vorlauf
+) Gleisdorf: Kulturpolitik (Übersicht)

Postskriptum
Es ist mir vollkommen rätselhaft, was meinen regionalen Kolleginnen und Kollegen derzeit durch den Kopf geht, um auf diese markante kulturpolitische Krise aktiv zu reagieren. (So viel auch zu den Mythen von „Szene“ und „Solidarität“ innerhalb des steirischen Kulturvölkchens.)