Archiv für den Tag: 4. November 2011

Kunst, Wirtschaft, Wissenschaft…

Warum ist die Befassung mit Kunst wichtig? Das läßt sich selbstverständlich beantworten. Aber nicht in zwei Sätzen. Dazu ist etwas mehr Zeit und Konzentration nötig. Eine Gegenfrage bringt einen allerdings schon mit einem Satz auf die Fährte: Warum geht jede Tyrannis gegen Kunstschaffende vor und bemüht sich, oft mit viel Gewalt, sie an die Leine zu legen?

Gehen Sie also ruhig davon aus, die Befassung mit Kunst berührt und bewegt sehr grundsätzliche menschliche Möglichkeiten. Das erschöpft sich keineswegs in Ausstellungen und diversen Aufführungen. Davon handelt freilich regionale Kulturpolitik überwiegend.

Künstler Gerhard Flekatsch (Kunstverein „bluethenlese“)

Bliebe zu klären, was darüber hinaus Gewicht hat und warum andere Aspekte des Kunstgeschehens in den Kommunen praktisch überhaupt nicht wahrgenommen werden; auch im Sinn einer aktiven Beteiligung an anderen kulturellen Prozessen als bloß jenen der Kunstpräsentation.

Bei „kunst ost“ sind wir längst daran gegangen, diese größeren Zusammenhänge zu bearbeiten und das auch mit regionalen Wirtschaftstreibenden zu verknüpfen. Nun machen wir einen weiterführenden Schritt in der Kooperation mit Künstler Gerhard Flekatsch und dem Verein „bluethenlese“.

Es geht dabei NICHT um die simple Idee, Unternehmen würden im Tausch gegen möglichen Imagegewinn Sponsorbeträge in Kunstprojekte investieren. Das sind Modelle eines ganz anderen Kultursektors, die sich natürlich nicht beliebig übertragen lassen.

Wir trennen erst einmal: Was ist die Kunst? Was ist künstlerische Praxis? Was sind Kompetenzen, die aus der Befassung mit Kunst erwachsen?

Folglich geht es auch nicht um eine flotte Verkaufsvariante. Wir haben zuerst einmal im Dialog mit Wirtschaftstreibenden zu klären:
a) Gibt es aktuelle Fragestellungen, die uns gleichermaßen interessieren?
Falls ja, bleibt zu erörtern:
b) Gibt es Aufgabenstellungen, die sich aus diesen Fragen ableiten und die wir teilen könnten?
Das verlangt auch Klärung:
c) Welcher Art sind unsere Kompetenzen, die sich in einem gemeinsamen Vorhaben komplementär ergänzen und verstärken könnten?

Ich habe diese Überlegungen herausgearbeitet, um eine Vorstellung von möglicher KOOPERATION zu entwickeln, bei der sich Menschen aus ganz unterschiedlichen Genres treffen könnten. Davon erwarte ich mir eine realistische Perspektive und eine praktikable Idee von längerfristiger Zusammenarbeit, die auf Prozesse zielt und sich nicht in einzeln gesetzten, womöglich großspurigen Events erschöpft.

Damit konzentriere ich mich auch auf Optionen, die in jenem „Ideenspiel“ anklingen, welches momentan unter dem Slogan „Vision 2050“ regional zur Debatte steht. Da war ja zu fragen: Auf welche Art könnten oder werden sehr unterschiedliche Instanzen der regionalen Gesellschaft mit einander kommunizieren, um eventuell auch in Kooperationen zu finden?

Wie oben angedeutet: Aktuelle Fragestellungen, die uns gleichermaßen interessieren, könnten zu Aufgabenstellungen führen, die wir uns eventuell teilen wollen.

[2050: übersicht]

das kühle extrazimmer 13

Netzkultur handelt unter anderem von den Möglichkeiten, die uns Kommunikationstechniken bieten, wie sie die Menschheit kürzlich noch nicht kannte. Aber gerade WEIL diese Technologien mächtige Werkzeuge sind, brauchen wir dazu kulturelle Kompetenzen, die keineswegs neu sind.

Wieso soll ich mich auf Informationsangebote von Kulturschaffenden einlassen, die den Kommunikationsstil von Klinkenputzern haben? Ich verzichte! Unter all dem Müll, der einem ungefragt zugeworfen wird, sind nicht einmal Nuggets. Gold auf Schutthalden? Nur im Märchen.

Habe ich in den letzten zwei Jahrzehnten je das besondere Stück aus einer Massensendung erhalten, in dem mir etwas Interessantes angedient wurde? Nein, mir ist kein Beispiel erinnerlich. Es mag ja Geschäftsbereiche geben, wo von einer Million rausgefeuerter Werbemails ein halbes Promille der Leute reagiert. Das ist dann schon was. Oder auch nicht.

Im Kulturbereich ist dieser Modus „fire and forget“ der Ausdruck von Wichtigtuerei und Geringschätzung auch der eigenen Arbeit gegenüber. Die meisten kulturellen Angebote setzen ja auf diese oder jene Art auf Kommunikation. Die Version „Ein Sender, viele Empfänger“, das alte „Broadcasting“, übrigens eine grundlegende Zutat des Faschismus, ist weder der gegenwärtigen Mediensituation gerecht, noch kulturellen Themen angemessen.

Ich empfinde es als provokant, als ärgerlich, wenn mir gedankenlose Schussel ihre Nachrichten aufdrängen; ohne jede Rücksicht, ob ich das wissen möchte oder nicht, ohne jedes Augemerk auf eine sinnvolle Kommunikationssituation.

Als Großmeister dieser bornierten Sturheit erweist sich etwa Manfred Kielnhofer mit dem banalen Dauerläufer „Wächter der Zeit“. Den Kerl wird man nicht los, da kann man freundlich oder unfreundlich kommen. So hat eben auch der Kulturbetrieb seine Lugners, Posaunisten der eigene Wichtigkeit, die sich nicht über die Qualität des Werkes erweist, sondern über die „Lautstärke“ der Medienanwendung.

Es gibt aber auch ganz andere Beispiele. Eines davon möchte ich hier zitieren. Ein rares Beispiel. Und obwohl ich festgestellt habe, daß mir dieses Informationsangebot eher nichts für mein laufendes Tun nützt, ist es dann dieser Kommunikationsstil, der mich bewegt hat, mir die Website genauer anzusehen und dem Absender zu schreiben.

Sehr geehrte Damen und Herren,

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Mit freundlichen Grüßen
Roland Kreslin
(baunachrichten.at)

[NETZKULTUR: der überblick]