Archiv für den Tag: 10. Januar 2011

was ist kunst?

was mache ich bloß mit diesem thema? ich muß für mich da nicht gar so viel ausdrücklich klären. aber: ich kann es nicht ignorieren, weil es mir in meinem metier implizit oder explizit laufend um die ohren fliegt. das schwammige gerede, wie ich es oft erlebe, macht mich ärgerlich. wie soll das also konkreter werden?

ich nehme mir heraus, hier eine mischung aus polemik und feuilleton zu beginnen. einzelne momente oder faden-enden für einen augenblick aufgreifen. vielleicht bringt es mich wo hin, vielleicht verebbt es schnell wieder.

poetische nachtschicht: krusche in der werkstatt zur "hasen-oper" von nikola dzafo

als ich kürzlich im serbischen novi sad einen vortrag zum thema „art under net conditions“ hielt, war meine bevorzugte „augustinus-paraphrase“ teil davon. (ich muß stets die prominente quelle nennen, weil es zu verlockend wäre, diese elegante erklärung auf meinem eigenen konto zu verbuchen.)

ich weiß schon lange ganz genau, was KUNST ist,
außer es fragt mich wer danach.

das ist kein scherz. es trifft genau so zu. ich bin bloß allerhand unsicherheiten der frühen jahre als künstler inzwischen los. deshalb ist es keine sichere sache für mich. ich weiß gerade noch: wenn mit innerhalb eines jahres fünf gedichte gelingen, die etwas taugen, darf ich zufrieden sein.

sie werden mir vermutlich zustimmen: kunst definiert sich nicht über quantitäten. ich kannte alelrdings einen mann („kannte“, weil er leider nicht mehr lebt), dem gelangen alle paar tage gedichte, die etwas taugen. seine gedichtbände liegen einem schwer in der hand.

poesie als lebens-konzept: gerhard kofler

es ist also ein beschreibbarer unterschied zwischen gerardo und mir, obwohl wir beide – der kunst gewidmet und der lyrik verfallen – dem gleichen metier angehör(t)en.

und woher weiß ich nun, daß ein gedicht etwas taugt? ich löse das nicht theorie-gestützt, es hat sich quasi empirisch ergeben. jahrzehnte lese-erfahrungen, unzählige gedichte gschrieben, allerhand debatten über das thema geführt, in summe also ein komplex an wahrnehmungserfahrungen, welcher eine inviduelle geschmacksbildung getragen hat.

darauf kann ich mich, wie es scheint, ganz gut verlassen. und so weiß ich es, wenn eines meiner gedichte etwas taugt; früher oder später weiß ich auch, ob ich eines wieder löschen muß.

[überblick]

zwischen diesen beiden optionen, daß etwas einige zeit bestand hat oder daß es verworfen sein muß, dürfte die kunst gelegentlich präsent sein.

Kunst ist kein Hobby

so hat christian henner-fehr einen aktuellen beitrag in seinem „kulturmanagement blog“ überschrieben: [link] dabei eröffnet er gleich mit einem sehr populären klischee: „Wer sich künstlerisch betätigt, wird von seinem Idealismus angetrieben und macht das nicht wegen des Geldes. Solche Sätze haben Sie wahrscheinlich auch schon des öfteren gehört.“

woher kommen solche ideologischen konstruktionen? ursprünglich ist das ja eine sehr romantische vorstellung aus gesellschaftlichen kreisen, die andere für sich arbeiten ließen. wer sich nicht den ganzen tag abrackern mußte, um ein leben zu haben, durfte freizeit und muße darauf verwenden, sich „edle lebenszwecke“ auszudenken.

heute hat eine im sturm der boulevard-medien geglättete „freizeitgesellschaft“ auf neue art sinnkrisen. vor allem auf sehr viel breiterer basis. da müssen dann zum beispiel romantische vorstellungen was kunst sei als „sinnstiftungsgeschäft“ herhalten.

wir werden heuer im rahmen der „talking communities“ quer durchs jahr ein wenig beleuchten, welche unterschiedlichen positionen in unserer umgebung bestehen und welche begriffsklärunen sich allenfalls als nützlich erweisen.

es wird nicht darum gehen, eine position gegen die andere auszuspielen, sondern besser zu lernen, wie sehr unterschiedliche zugänge neben einander und manchmal mit einander bestehen können, um in summe ein kraftvolles kulturelles klima zu tragen.

[talking communities]