Kunst und Politik

Als Künstler brauche ich ein Mindestmaß an Markt- und Nachrichtenwert, um mein Brot verdienen zu können.

Wo liegt die Definitionshoheit? (By KI)

Das hat noch nichts mit der künstlerischen Qualität meiner Arbeit zu tun. Der Politiker braucht ein Mindestmaß an Markt- und Nachrichtenwert, um sein Mandat zu bekommen. Das hat noch nichts mit der politischen Qualität seiner Arbeit zu tun.

Was tun Leute, die sich kulturpolitisch exponieren? Ich möchte in der Sache einige Aspekte sortieren und genauer benennen. Zeit, um ein klare Worte zum Verhältnis zwischen Kunstschaffenden und Funktionstragenden in die Debatte zu bringen.

Vor allem geht es mir da auch um die Frage, was es bedeutet, wenn etwa ein Politiker die Arbeit eines Künstlers für seine Imagegewinn verwertet, den Künstler dabei unsichtbar macht, und so die Früchte fremder Anstrengungen erntet. Aber dazu später. Erst einmal Grundsätzliches.

Begriffe
Ich nenne Künstlerinnen und Künstler die primären Kräfte der Kunstwelt. Dem sind allerhand Funktionen und Professionen nachgeordnet. Das meine ich im strukturellen Sinn. Wer am kulturpolitischen Diskurs teilnimmt, sollte in dem Zusammenhang den Namen Pierre Bourdieu wenigstens einmal gehört haben.

In dessen Kulturtheorie wird ökonomisches Kapital von symbolischem, kulturellem und sozialem Kapital unterschieden. Kapital nicht im marxistischen Sinn, sondern als Güter, die durch menschliche Anstrengung und Interaktion entstehen und eingesetzt werden können.

Was läßt einen Politiker vorne stehen? (By KI)

Ich habe als Künstler etwas sehr Markantes mit einem Politiker gemeinsam. Sachlich begründetes Prestige, dazu Sozialprestige, sind zentrale Werte, mit denen man vorankommt. Eine günstige Reputation ist wichtige Komponente eines Fundaments, auf dem jemand gedeiht; Künstler und Politiker gleichermaßen.

Für den Künstler stärkt das den Markt- und Nachrichtenwert, für den Politiker ebenso. In beiden Fällen werden die Verhältnisse manchmal durch Scharlatane korrumpiert, weil sie Aufmerksamkeit und Budgets unter falschem Etikett abziehen.

Ressourcenfragen
All das bedeutet, wir unterscheiden bei der Frage nach Mittel und Möglichkeiten zwischen materiellen und immateriellen Gütern. Beide Arten sich für beruflichen Erfolg unverzichtbar. Ich befasse mich hier freilich mit Regionalpolitik, nicht mit Bundespolitik.

Das bedeutet, in der Oststeiermark ist eine politische Funktion Ehrenamt, aber mit einigen Entschädigungsarten unterfüttert: „Den Mitgliedern der Organe der Gemeinden, mit Ausnahme der Landeshauptstadt Graz, gebührt die Vergütung der tatsächlichen, mit der Geschäftsführung verbundenen Barauslagen.“ [Quelle: § 18 Stmk. GbezG. Stmk., Steiermärkisches Gemeinde-Bezügegesetz]

Existenzarten
Im regionalen Kunstgeschehen dominieren Hobby-Leute (Voluntary Art), die ein materielles Zubrot zu schätzen wissen, aber existenziell davon nicht abhängen. Unter denen, welche sich konsequent der Gegenwartskunst widmen, was ein anderes Genre ist, finden Sie neben den Liebhabern Freischaffende und solche mit fixen Brotberufen.

Darunter die Freischaffenden weit weniger als jene mit Brotberufen. Das ist übrigens keine Frage der künstlerischen Qualität. Österreichs Markt gibt einfach nicht mehr her. In allen Varianten – Hobbyleute, Liebhaber, Freelancer und Brotberufler – beachten Kunstschaffende ihre Marktchancen und ihren Nachrichtenwert.

Für Freischaffende ist das logischerweise existenziell von höherer Bedeutung als in anderen Existenzvarianten. Manche Kunstschaffende sind „gut verheiratet“ oder werden sonst wie von der Familie erhalten. Das Künstlerdasein kennt viele verschiedene Lebenskonzepte.

[Ein Feuillteon]