Ich hab schon mehrfach betont, eine Krise möge nicht vergeudet werden. Sie gibt uns Anstöße, um aktiv zu werden.

Erst dann kann sich zeigen, ob die Krise zur Katastrophe oder zur Katharsis führt. Wir kennen die Verlaufsmuster längst. Das steirische Kulturgeschehen war im Kielwasser der Weltwirtschaftskrise (2008/2009) erschüttert worden, was ab 2010 harte Konsequenzen mit sich brachte.
Das geschah erneut in den Corona-Lockdowns (ab 2020). Und manche kulturpessimistisch gestimmten Primärkräfte meinten, ein Landeshauptmann der FPÖ (2024) sei der Anlaß, das „Kulturland retten“ zu müssen. Zu all dem dürfte spätestens ab dem russischen Überfall auf die Ukraine (2022) klar geworden sein, daß wir uns global in einer Zeitenwende befinden. Das konnte man mindestens mit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten (2024) begreifen.
Alles vernetzt
Wir leben schließlich längst in einer weitreichend vernetzten Welt. Da wirkt sich tatsächlich der umfallenden Sack Reis in China oder der Flügelschlag eines Schmetterlings im Amazonas-Gebiet auch bei uns bis ins hinterste Dorf aus.

Was heißt das für mich als Primärkraft der regionalen Wissens- und Kulturarbeit? Ich kann mich gut erinnern, welche Konsequenzen Land und Kommunen spätestens ab 2010 aus allem gezogen haben und wie das auf den Kulturbetrieb gewirkt hat.
Ich wußte spätestens Ende 2020, daß wir – das Kulturvölkchen – auf garantiert kommende Belastungen konzeptionell und strategisch reagieren müssen, weil uns sonst dieser Lauf der Dinge aus unseren Positionen kegelt.
Ich kenne augenblicklich weder Hinweise, noch Belege, daß im Gleisdorfer Rathaus, im Kulturpakt oder auf privater Ebene nennenswerte Schritte gesetzt worden wären, um dem, was unübersehbar über den Horizont heraufgekommen ist, strategisch entgegenzutreten.
Bottom up oder top down?
Immerhin läßt sich der aktuelle Scherbenhaufen nicht mehr übersehen. Also geschehen Dinge. So zum Beispiel – laut Kulturreferent Karl Bauer am 22.1.2026: „Für den Kulturpakt geht es um den Entwurf neuer Vereinsstatuten mit einer positiven Weiterentwicklung…“

Ich bin gerührt zu sehen, wie eine zivilgesellschaftliche Basis von Kunst- und Kulturschaffenden, die sich teils einer „freien“, wahlweise „autonomen“ Initiativenszene zurechnet, nun wartet, ob ihnen die Stadtpolitik einen Verein bastelt.
Wo Konzepte fehlen, muß vorerst eben Alarmismus helfen, bis von irgendwo ein Lichtlein kömmt. Puppenspielerin Elfi Scharf jüngst in der „Kleinen Zeitung“ zur Lage der Nation: „Ist es künftig nur mehr einer Elite vorbehalten, Kultur zu genießen?“ [Quelle]
Nein, keine Kabarett-Nummer. Ein offenbar ernst gemeintes Statement, das illustriert, wie stellenweise nicht verstanden wird, was Kultur überhaupt ist; nämlich etwas fundamental anderes als der Kulturbetrieb. (Auch Kunst und Markt werden in unseren Reihen gerne verwechselt.)

Das war’s! Nr.1
Gleisdorfs Stadtregierung hat den einzigen eigenen Ausstellungsraum aufgegeben, der einem White Cube recht nahekommt, nämlich das zentral gelegene „Museum im Rathaus“ (MiR). Dort wird nun die Stadtbücherei eingerichtet. (Ich kenne keinen anderen adäquaten Ausstellungsort im Eigentum der Kommune.)
Das war’s! Nr.2
Hermine Arnold teilte eben mit: „Der kulturelle Nahversorger NEDI Kunst & Kultur hat seine Arbeit unter den gegebenen Rahmenbedingungen eingestellt.“ Bleiben im Raum Gleisdorf noch „Die kreativen Pinsel“ im Bereich Kunsthandwerk sowie unser „Archipel“ mit dem Genre-Bogen Volkskultur, Popkultur und Gegewartskunst übrig. (Kennt jemand sonst noch eine privat entstandene Formation in Sachen Kunst und Kultur?)
Das war’s! Nr.3
Der „Kulturpakt Gleisdorf“, wie er nun rund ein Jahrzehnt vom Rathaus aus geleitet wurde, ist praktisch tot. Während Gleisdorf fast ohne eigenständig lebensfähige Privatinitiativen dasteht, zeigt die öffentliche Umfrage, daß nun Wochen vergangen sind, aber da kommt gar nichts Essenzielles: [Link] (Neustart oder löschen?)
+) Gleisdorf: Kulturpolitik (Übersicht)
Postskriptum
Also raus aus dem Jammertal! Wir stehen vor interessanten Aufgaben. Da sollte mit hinreichender intellektueller Selbstachtung und einem Portiönchen Sachkenntnis allerhand zu machen sein.