Was es wiegt… #64: Die Landesebene

(Beiträge und Fragen zu einer nächsten Kulturpolitik)

Zugegeben, wenn ich pro Tag drei bis vier Anrufe hereinbekomme, wenn ich überdies pro Woche drei bis vier Arbeitstreffen hab, wie das derzeit geschieht, beschleicht mich das Gefühl, a) ich würde ein Sekretariat brauchen und b) ich komme kaum noch zum Arbeiten.

Heidrun Primas

Das sind freilich romantische Zustände. So kann man auch real sein Brot nicht verdienen. Und selbstverständlich bewältige ich solche banalen Abläufe, über die andere Menschen erfahrungsgemäß müde lächeln, mit Anlauf. Aber im Kern bedeutet das, ich brauche eine erhebliche Langsamkeit, um manche Dinge gründlich bearbeiten zu können.

Kann ich solche Langsamkeit nicht abschnittweise sicherstellen, kippt die Arbeit in etwas anders, um dann oft als Surrogat zu enden. Ich hatte eben Gelegenheit, mit Heidrun Primas sehr ausführlich zu debattieren, was die Folgen einer Einführung von Verwertungslogik in die Wissens- und Kulturarbeit sind, aber auch: wo sich allenfalls Auswege aus solchen Dynamiken finden lassen.

Interlude: Ich hab grade überlegt, ob sich der vorige Satz in mehrere kleine Sätze zerlegen läßt. Andrerseits: einem komplexeren Gedanken nachzugehen, das darf ruhig Mühe machen und Zeit kosten. Wer das anders sieht, macht einen anderen Job als ich.

Primas ist Teil eines Teams, das Landeskulturreferent Christopher Drexler beauftragt hat, kulturpolitische Optionen auf der Höhe der Zeit zu erkunden, allenfalls zu bearbeiten. Siehe dazu meine Notiz vom 25. Oktober 2021: „Was es wiegt, das hat’s XLV: Diskurs“!

Primas erläuterte mir nun, wie die „Regionalkonferenz der Kulturstrategie 2030“ konzipiert ist was nun in Gang kommt und wer in Duo-Formationen die verschiedenen Thementische betreuen wird, zu denen je zehn sachkundige Personen eingeladen werden wollen.

Das ist ein Setting kulturpolitischer Arbeit, wie ich es bisher noch nicht erlebt hab. Bleibt abzuwarten, wie sich das nun inhaltlich entfaltet und was davon in öffentliche Diskurse eingespeist wird. (Mir scheint, das regionale Spektrum reicht im Moment von alter Funktionärsherrlichkeit, über den Aufbruch versierte Leute, bis zu einer jungen Generation, die sich das gerade auf eigene Art erschließt.)

Mein Arbeitsgespräch mit Karl Bauer, dem neuen Kulturreferenten von Gleisdorf, hab ich hier schon erwähnt: [Link] Und hier – aktuell – die Notiz „Kunst & Gegenwart“ (Gleisdorf, ein Moment), denn da tun sich derzeit verschiedene Felder auf, die ja komplementär zu einander wirken können; im günstigsten Fall. Ich hab den Eindruck, auf der Landesebene ist Antwortvielfalt willkommen.

— [The Long Distance Howl] —

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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