Gelegentlich hab ich einen Menschen ganz direkt gefragt: „Hast du gute Absichten?“ Mir ist das wichtig. Taten gehen manchmal schief. Aus Versehen.

Das nehme ich jemanden nicht krumm, wenn ich annehmen darf, es ist ohne Absicht geschehen. Die Einschätzung der Nuancen und der Motive hilft mir zu klären, ob mich jemand als Mitmensch behandelt oder als Ressource.
Ich habe das jüngst wieder kolportiert bekommen: „Krusche? Bloß nicht anstreifen!“ Das ist ein guter Rat, den man beherzigen sollte, wenn man sich verlockt fühlt, auf meine Kosten zu expandieren.
Der Kulturbetrieb ist reich an Leuten, die gerne wo auf Trittbrettern mitfahren, während sie sich selbst bestätigen, daß sie Juwelen seien, die solche Gratistouren verdient haben. Ich bin in dieser Sache Old School und bleibe bei einem altmodischen Begriff, der solche Typen bezeichnet: Schmarotzer.
Was ich an Kraft und Ressourcen für andere Menschen erübrigen kann, verwende ich lieber für jene, denen ich ansehe, daß sie um ihre Möglichkeiten ringen, aber es reicht grade hinten und vorne nicht. Solchen Menschen komme ich gerne entgegen, wenn es mir möglich ist.
Da frage ich auch nicht nach einem Ausgleich, weil das Mumpitz wäre. Die Balance liegt in der Sache selbst. Wenn ich erlebe, was es an einem Menschen bewirkt, dem ich kurz beigestanden hab, ihm in irgendwas gefällig war, ist das mein Lohn. Ich mag diese Emotionen.
Wir Menschen sind von Natur aus so angelegt. Die Evolution hat uns als Spezies durch Kooperation erfolgreich gemacht. Was anderen Leuten gelingt, festigt den Boden, auf dem auch ich vorankommen.
Wenn ich aber feststelle, daß jemand die Nutzung solcher Möglichkeiten zu seinem Vorteil überzieht, seine Mitmenschen – wie erwähnt – als Ressource behandelt, dann beginnt auf meinem Kontinent der Ernst des Lebens.
Die letzten Jahrzehnte haben mir den Eindruck verschafft, daß es eher gutsituierte Leute sind, die sich das herausnehmen, kaum die Habenichtse. Man flüstert mir ins Ohr: „Klar, sonst kommen sie ja zu nichts.“ Wie gesagt, wer das mit mir versucht, hat ein Ticket für die Sektion Ernst des Lebens gezogen. Da gilt allemal: „Krusche? Bloß nicht anstreifen!“
Postskriptum
Ich hab in diesem Jahr eine Menge an Großklapperatismus erlebt. Im Kuturvölkchen wird ja oft kühn dahinbehauptet, daß sich die Balken biegen. Ich gebe inzwischen gar nichts mehr auf das, was für mich sehr schnell nach einem Maulhelden riecht. Dazu gehört dann die Frage: „Was genau sind denn die Taten zu deinen Worten? Fakten auf den Tisch!“ Was mich angeht: „Ich bin ein Zehnprozenter“ (Eine kulturpolitische Position) Ich hoffe sehr, andere sind das auch.