Diese Kunst Ost-Sache III

[Vorlauf] Die Facebook-Leiste von Kunst Ost sollte sich halbwegs mühelos als ein etwas antiquiertes Feuilleton erkennen lassen, in dem sehr verschiedene Themen behandelt werden.

Der leitende Redakteur als Dämon des öffentlichen Diskurses.

Klar, zwischendurch gibt es auch gelegentlich ein Veranstaltungs-Aviso für Vorhaben, die einen Kunst Ost-Anteil haben. Oder Hinweise darauf, was andere Leute machen, die ich interessant finde. Es ist eben eine Art elektronisches Kulturmagazin.

Da tauchen manchmal digitale Geisterfahrer auf, die ballern einfach an zwei Tagen dreimal den selben Veranstaltungs-Hinweis in unsere Timeline. Wenn ich erst noch höflich ersuche, das nicht zu tun, erfahre ich gelegentlich a) kuriose Ausflüchte, weil man mich offenbar für den Dorfdeppen hält, wahlweise b) recht patzige Reaktionen.

Ein Abbild der Stimmung Kulturschaffender im Realraum. So wie jüngst im Gleisdorfer Rathaus ein kulturpolitische Diskussion stattgefunden haben soll, die faktisch bloß eine Art Fragestunde war, in der Kunstschaffende ihre Forderungen an Politik und Verwaltung gerichtet haben.

Kann man machen. Aber das ist eben keine Diskussion, kein Meinungsaustausch, sondern eine Art von Kundgebung. Ich meine freilich, daß „Angfressensein“ keine kulturpolitische Kategorie ist, sondern eine Befindlichkeit.

Ich hab kein Problem, auf meinen Web-Terrains mit einem anmaßenden Schnösel Richtung Ausgang Schlitten zu fahren. Aber ich staune oft sehr, was für bornierte Leute einem im Kulturbereich begegnen können. Weshalb ist das ein Thema?

Erstens mache ich an mehr als 300 Tagen im Jahr Redaktionsarbeit, um in aktiver Netzkultur-Bemühung online ein Publikum zu halten, womöglich auszubauen. Zweitens wird ein enorm hoher Anteil von Webinhalten via Mobiltelefon rezipiert.

Das bedeutet, auf einem relativ kleinen Display würde mir ein Schnösel, der mehrmals in Serie irgendwas in meine Timeline ballert, alle anderen Inhalte aus dem Blickfeld schieben. Für solche Leute mache ich meine Arbeit nicht.

Ich hab ein konventionelles Rollenselbstverständnis als leitender Redakteur. Da muß bei jemandes Verhaltensoriginalität ein erster Hinweis auf meine Hausordnung genügen. Wer das ignoriert, fliegt raus.

In solchen Fällen hat man mir gelegentlich von „Zensur“ geschwafelt. Nicht einmal davon haben solche Leute, die sich in einem Massenmedium produzieren, also eine Ahnung. Immerhin steht es ihnen völlig frei, sich online selbst ein Publikum zu erarbeiten und diese Leute dann längerfristig zu beeindrucken oder zu langweilen. Zensur ist etwas ganz anderes.

+) Netzkultur (Ein Praxis-Feld)
+) Kunst Ost auf Facebook