Fragen zur Netiquette I

Nein, auch im Internet gibt es kein Faustrecht. Ich habe eben face to face eine Debatte mit Gleisdorfs Bürgermeister Christoph Stark geführt, denn was die regionale Kulturpolitik angeht, besteht derzeit großer Klärungsbedarf.

Fällige Debatte & Selfie: Christoph Stark (links) und Martin Krusche.

Da ist ja eigentlich ganz klar, daß ich mit dem ranghöchsten Politiker der Stadt spreche und das via Internet dokumentiere. Es geht mir um Transparenz in einem öffentlichen Diskurs, denn wir leben in einer Res publica mit repräsentativer Demokratie. Klar? (Na, das hoffe ich!)

Ich kann gar nicht so schnell schauen, gibt es zu solchen Momenten via Social Media gleich den ersten Rotz und manche Lästerei. Nicht etwa zum Thema, nämlich: Kulturpolitik, sondern zur Person: der Bürgermeister. Sowas kommt dann vor und hinter dem Vorhang auf mich zu. Etwa in solcher Tonlage: „Besser er ist in Wien, da richtet er nicht schaden an.“ (Ah ja? Falls er also schadet, was zu beweisen wäre, dann besser im Parlament, als im hiesigen Rathaus? Überzeugt mich nicht.)

Oder so: „Ach lass den mal der redet ja auch nur Blödsinn. Was er für Gleisdorf macht is fraglich, außer Verkehrschaos stiften“. Nun haben wir schon in Europas Antike geklärt: Wer auf Argumente zur Sache (ad rem) verzichtet und Argumente zur Person (ad personam) vorzieht, will sein Gegenüber in der Debatte einfach umrennen.

Dazu die passende Frage von Psychiaterin Heidi Kastner: „Wollen Sie diskutieren oder recht haben?“ Außerdem dulde ich nicht, daß in meiner Timeline jemand beleidigt, herabgewürdigt wird. Egal wer. Da reagiere ich zuerst mit einem moderaten Einwand. Wenn das nichts nützt, beginnt für den Absender der Ernst des Lebens.

Der letzte Typ, den ich mit einem virtuellen Arschtritt aus meinem Onlinebereich gekickt habe, war der Meinung, es sei schade, daß der Amokschütze Donald Trump verfehlt habe. Solche Anmaßungen dulde ich auf meinem Terrain nicht.

Meist kommt es ohnehin viel moderater. So hatte ich jüngst einen Oststeirer sachte zurechtgewiesen, nachdem er einen Kommentar zur Person, statt zur Sache, in meine Timeline geschrieben hatte. Er ließ mich wissen: „ich werde dich sicher nicht fragen was ich schreibe,nur so viel,das wir uns verstehen!!“

Der Mann hat keine Ahnung von Netiquette. Er verstand nicht, daß ich auf meiner Bühne und vor dem Publikum, das ich mir erarbeitet habe, sehr schnell einschreite, wenn sich da jemand mit solchen Manieren breit macht. (Damit wir uns verstehen!) [Fortsetzung folg!]

+) Netzkultur (Notizen)
+) Netzkultur-Geschichte: Timeline (Ein kleiner Überblick)
+) Gleisdorf: Kulturpolitik (Übersicht)

Postskriptum
Netiquette ist der Verhaltenskodex für respektvolle Kommunikation im Internet, zusammengesetzt aus „Netz“ und „Etikette“.