Rumpelstilz und die Antisemitin

Der Antisemitismus ist eine menschenverachtende Entlastungsstrategie, mit der man sich auf Kosten anderer Menschen einfache Antworten für komplexe Fragen verschafft. Weshalb tut das jemand? Es ist bequem. Es erspart die Mühen von Wissenserwerb und schützt einen davor, sich selbst in Frage stellen zu müssen.

Autor Anton Kuh soll gesagt haben: „Nur nicht gleich sachlich werden! Es geht ja auch persönlich.“ Jede Debatte kann sehr schnell dahingehend bewertet werden, ob jemand Argumente zur Sache oder zur Person liefert. Wer Personen, statt Inhalte angreift, macht klar, daß ein Gegenüber umgerannt werden soll.

Antisemitismus ist einträglich, macht allerhand Profit möglich. Gehör, Sichtbarkeit, Einfluß. Es läßt sich manches lukrieren, wenn man demonstrativ auf jüdische Leute losgeht. Ein irrationales Konzept. Deshalb ist eine Debatte mit Antisemiten meist aussichtslos. Wer von dieser unsachlichen Strategie profitiert, wird sich kaum davon abbringen lassen.

Zurückweisen
Ich hatte eben eine kleine Differenz mit einer Person des (regionalen) öffentlichen Lebens. Genaueres Hinsehen ließ mich staunen. Ein seriöser Journalist, der seine Arbeit ernst nimmt, würde einer angriffslustigen Antisemitin keine Bühne bieten, sondern sie aus dem Licht der Öffentlichkeit verweisen. Wer antisemitische Ressentiments via Massenmedien verbreitet, fördert keinerlei Informations- und Erkenntnisgewinn.

Hitler ein Protegé der Rothschilds? Völlig absurd! Trump ein Schützling Israels? Dann braucht man sich mit dem realen Problem, das Täter aufwerfen, nicht mehr befassen. Deshalb fallen einschlägige Äußerungen unter Propaganda, auch teilweise unter Gewalttätigkeit per Sprache.

Wer solche Stoffe ausstreut, kann das Recht auf freie Meinungsäußerung nicht mehr geltend machen. Wo immer zwei Rechtsgüter kollidieren und eines von beiden zurückstehen muß, ist die Frage nach der Menschenwürde ein wesentliches Kriterium; wie natürlich auch geltendes Recht.

Lamm wütet gerne
Der oststeirische Publizist Hari Lamm hat offenkundig kein Problem, einer bekennenden Antisemitin auf seinem Terrain Raum für ihre Propaganda zu lassen. Mir fiel auf, daß er Nicole F. gewähren ließ, während er meinen Hinweis, daß seine Statements teilweise als verbale Gewalttätigkeit gelten müssen, belachte und mich auf Facebook inzwischen blockiert hat. (Lamm hatte auf Facebook übrigens den Kontakt zu mir gesucht, nicht umgekehrt.)

Darüber könnte man einfach hinweggehen, denn jeder Mensch soll denken was er will. Aber Lamm ist Kulturschaffender in meiner Region, der Oststeiermark. Er zählt sich zu meinem Metier. Er verbreitet seine Ansichten. Außerdem gibt er via Facebook ein Onlinemagazin heraus, das als „Fürstenfeld unzensiert! Antifaschistisches, demokratisches Medium“ promotet wird: „Der Fürstenfelder“.

Diese Leiste wird in keinem derzeit auffindbaren Punkt ihrer proklamierten Themenstellung gerecht. Es läuft eher auf ein Boulevardgeschäft hinaus, das nach Prinzipien des Alarmismus Reize setzt, um das Publikum bei der Sache zu halten. Bei welcher Sache?

Etikettenschwindel
Von „Fürstenfeld unzensiert!“ kann keine Rede sein, weil erstens in unserem Land keine Zensur herrscht, auch in Fürstenfeld nicht, weil zweitens alles, was ich bei Lamm gesehen hab, Beiträge sind, die anderswo und von anderen Leuten verfaßt sowie publiziert wurden.

Das sind also
a) keine journalistischen Leistungen von Lam, sondern fremde Artikel, die
b) ganz offensichtlich durch keinerlei Zensur verhindert wurden, denn sonst hätte Lamm sie ja nicht finden und posten können.

Was ich bei „Fürstenfeld unzensiert!“ auf Facebook sehe, hat eher etwas von einem Guckloch für Voyeure. Lamm triggert Sensationslust und Angstlust, bleibt eigene Glossen, Reportagen oder Essays schuldig, nutzt wahllos gesammelte Stoffe, um mit seinen Kommentaren auf andere Leute loszugehen.

Lamm hat offenbar sehr wenig Geduld mit Andersdenkenden, zeigt eine niedrige Reizschwelle und ersetzt ein souveränes Argumentieren gerne durch Beschimpfungen. Seine Spuren im Web sind über die letzten Jahre dünn geworden. In einigen Foren hat Lamm Kulturveranstaltungen promotet. „Siegi’s Team & Hari“ sind offenbar einst rege gewesen, etwa für „World-Music/Schabhüttl“.

Bis 2012 gab es ein kulturelles Printmedium namens Der Fürstenfelder, an dem Lamm scheinbar beteiligt war. Weiter ging das nicht. Am 24. September 2014 zeigte ihn Waltraud Wachmann auf „meinbezirk.at“ per Foto neben Schauspielerin Erika Pluhar: „Eine öffentliche Frau“ im Grabher-Haus, also auch Lamm eine öffentliche Person.

Lamm teilt aus
Aus all dem darf ich schließen, Lamm ist ein prinzipiell gebildeter Menschen, zu komplexeren Denkleistungen ohne weiteres befähigt, im Kulturbetrieb erfahren. Das stellt sein aktuelles Verhalten in einen schillernden Kontrast.

In der Regionalzeitung „Kikeriki“ (Ausgabe Jänner 2015) räsonierte Lamm: „Es ist echt erstaunlich, für wie blöd Leser ihrer Zeitung gehalten werden und welch ein Quatsch kürzlich in ihrer Zeitung geschrieben wurde.“ Das schließt mit folgender Empfehlung: „Also bitte in Zukunft keine Verschwörungstheorien und anderes Gedöns verbreiten.“

Jüngere Belege von Lamms Aktivitäten liefert die Suchmaschine mir derzeit nicht. Wozu auch? Wer sein Mäntelchen mit Duftmarken wie „unzensiert“, „antifaschistisch“ und „demokratisch“ dekoriert, sich dabei so zeigt, wie Lamm es auf Facebook tut, gibt mir keinerlei Rätsel auf, was sein Verhältnis zu den Wasserträgern der Tyrannis angeht.

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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