Axiom: 2014 bis 2019 IV

Ich mag die Vorstellung sehr, daß das zehnte Jahr meines Langzeitprojektes („the long distance howl“) ausgerechnet in Serbien begann, um von da her auf das Jahr 2014 zuzugehen. Aber jetzt muß erst einmal 2013 durchmessen werden.

Der Uhrturm von Petrovaradin

Die jüngste Station in der serbischen Vojvodina war unter anderem eine Betonung des Modus von „the track: axiom“. Die Poesie, der Diskurs und das praktische Handeln. So entfaltet sich das Geschehen. Nicht alles davon ist der Kunst zuzurechnen. Aber es ist ein Kunstprojekt, das sich in verschiedene Bereiche verzweigt.

Deshalb muß es bei uns nicht gleich „beuyseln“. Ja, ich erwähne gerne und ausdrücklich, daß die Bedeutung der Arbeit von Josef Beuys in solchen Zusammenhängen kaum überschätzt werden kann. Aber das sind historische Zusammenhänge.

Mir mißfällt im Betrieb nur wenig so sehr, als wenn Spießer und Mittelschicht-Trutschen mit der Zuschreibung „soziale Plastik“ recht wahllos um sich werfen. Siehe dazu auch „Wovon handelt Kulturpolitik? #22“: [link]

Ja, ich darf Beuys als eine Quelle der Inspiration nennen, wie auch Duchamp und Malewitsch, wo ich mich selbst auf den Weg gemacht habe, einen Umgang mit Kunst und Zustände in der Kunst zu finden, die von jenem proletarischen Ausgangspunkt her möglich sind, an dem ich irgendwann aufgebrochen bin.

Proletarischen Ausgangspunkt. Damit meine ich, daß ich aus keinem bürgerlichen Milieu stamme, in dem jemand mit solchen Zugängen und Erlebnisangeboten aufwächst. Ich komme aus dem Sozialbau, siebter Stock, wo ein einsamer Bücherschrank erst mit Produkten von „Readers Digest“, später mit Schuhen gefüllt war.

Meine frühen Zugänge zur Kunst ereigneten sich, soweit mir erinnerlich, im Kiosk einer Stadtbücherei, wo mich eine wache und kluge Bibliothekarin in Werke wie die von Edgar Alan Poe stolpern ließ. Was für eine Irritation! Was für ein Schock! Was für Erlebnisse!

Ich hatte nie Grund, damit zu Hadern, daß ich ein Lehrbub gewesen bin. Ich mag das Pendeln zwischen Räumen der Kunst und trivialen Terrains. Vor diesem Hintergrund muß ich aber mein künstlerisches Tun stets auch mit den Alltagswelten verknüpft wissen. Nicht um die Kunst zu trivialisieren, sondern um zu wissen, wo ich mich befinde und in welchen Zusammenhängen meine Ideen wachsen.

So bin ich bei meinem Langzeitprojekt „the long distance howl“ nach dem Abschnitt „next code“ beim Abschnitt „the track“ angelangt und da wiederum beim „Kapitel“ mit dem wunderbar hart wie weich klingenden Titel „axiom“.

Heuer runden sich, wie erwähnt, zehn Jahre Laufzeit dieses Gesamtvorhabens, dessen erstes Jahr hier markiert war: [link]

Der eigentliche Beginn liegt in der „Verschwörung der Poeten“, die Anfang 2003 eine dokumentierbare Form angenommen hatte: [link]

Eine übrige Markierung : In der 6. Kalenderwoche 2003 notierte ich über der Lektüre von Joseph Brodskys „Ufer der Verlorenen“ aus diesem Buch den Satz „Tyrannei ist selten synonym mit Sachkenntnis.“ („Sachkenntnis“ ist ein Begriff, der mir inhaltlich und phonetisch sehr gefällt.)

Aber zurück in die Gegenwart. Nun wird sich also das erste Jahrzehnt dieses Vorhabens runden. Im aktuellen Abschnitt sind die Poesie, der Diskurs und das praktische Handeln auf sehr spezielle Art dem Tun überantwortet.

In der Notiz „Genres & Metiers“ habe ich zu „the track: axiom“ schon notiert: „Dieses Projekt ist work in progress und hat verschiedene Handlungsebenen.“ Diese Levels sind vorerst einmal:
+) Gegenwartskunst
+) Diskurs
+) Triviale Mythen
+) Eigenständige Regionalentwicklung
+) Networking
[Quelle]

Das ist also der Funktionszusammenhang von Teilbereichen des etwas komplexen Gesamtvorhabens, welches wir nun im Dialog zwischen Österreich und Serbien weiter auffächern.

Dabei soll auch anderen klar werden, daß sich eine regionale Kulturinitiative, wenn sie gedeihen möchte, nicht bloß mit regionalen Belangen befassen kann, sondern ihr Tun im engeren Raum auch dahingehend überprüfen muß, welche Relevanz und welche inhaltlichen Bezüge es überregional, überdies europaweit, hat.

— [Die Tage der Vojvodina] [the track: axiom] —

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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