Archiv für den Tag: 31. Dezember 2011

das kühle extrazimmer 14

Neulich hier auf der Website von „kunst ost“:
„Was nun das Verhalten von der krusche betrifft: es unterscheidet sich durch nichts vom Verhalten unserer Massenmedien während des Krieges. Es ist ein Mix aus Voreingenommenheit, Einseitigkeit, Engstirrnigkeit und völliger Intoleranz.“

Websites und Logbücher sind Angelpunkte der Netzkultur. Nicht die einzigen, denn es gibt auch noch andere Internet-Dienste, mit denen Teleworking und Telepräsenz gut gelingen. Aber die „Bühnen“ im Web, die „Schaufenster zur Welt“, die Informationskanäle und „virtuellen Treffpunkte“, all das, was ich in Summe gerne „mein kühles Extrazimmer“ nenne, hat eine besondere Attraktivität. Siehe dazu auch: „mein kühles extrazimmer“ [link]

Als langjähriger „Netizen“, als „Bewohner der Netze“, begegne ich dabei immer wieder Trollen und Trittbrettfahrern. Das sind grundsätzlich Menschen, die im Web mit verdeckten Intentionen agieren. Daher ist ihr Kommunikationsstil oft etwas irritierend.

"do not feed the troll!" wer trollen antwortet, verlängert nur den verlauf eines fruchtlosen spiels

Die Motive von Trollen muß man vermutlich in Kategorien des Soziologischen und der Psychologie deuten. Das schert mich wenig, weil zu den offensichtlichen Strategien solcher Leute zählt, andere Menschen möglichst ausdauernd zu bewegen, sich mit ihnen zu beschäftigen. (Solche Kamikaze-Konzepte soll es ja auch in realen Alltagsbeziehungen geben.) Eine kleine Skizze zum Thema Trolle: [link] Etwas ausführlicher in Englisch: [link]

Bei Trittbrettfahrern ist es etwas einfacher zu verstehen. Das läuft ungefähr wie beim „Guerilla Marketing“: [link] Da möchte jemand eine Ware oder Botschaft mit möglichst geringem eigenen Aufwand möglichst breit unter die Leute bringen. Das legt nahe, die Systeme und Ressourcen anderer zu nutzen. Der Begriff „Guerilla Marketing“ umfaßt freilich nicht bloß unredliche Strategien, weshalb ich meine Reflexionen hier auf das Genre „Trittbrettfahrer“ einschränke.

Ich erfuhr also gerade über mich: „Diess Herrenmenschengetue ist wirklich völlig abstossend und passt zu keinem aufgeklärten und zivilisierten Menschen.“ Diesen Befund stellte mir Safeta Sulic zu. Eine Begründung ihrer ernsten Vorhaltungen fehlt. Belege dafür fehlen erst recht. Damit will ich sagen: Sulic behauptet das öffentlich, sie begründet und belegt es aber nicht. Details siehe unter: „Fahrten Südost #3“ [link]

eine bühne, ein publikum, ein monolog: die einseitige durchsetzung von reden ist eine machtdemonstration

Dazu vorweg ein paar grundlegende Gedanken. Eine Website ANZULEGEN, das ist heute keine große Sache. Webspace ist billig und das Aufbauen wie Füttern der Website verlangt längst keine HTML-Kenntnisse mehr. Stichwort CMS, also Content Management Systeme: [link] Mit dem Know how, um Emails zu versenden, denen ich gelegentlich Bild- und Textdateien anhänge, kommt heute jede Person aus. Den Rest leistet die Software plus eine Datenbank. („Wordpress“, das wir hier verwenden, ist ein anschauliches Beispiel für leicht handhabbare Systeme dieser Art.)

All das bedeutet auf jeden Fall, wer Ansichten vertritt und Informationen anbietet, die hier oder da im Web zurückgewiesen werden, hat natürlich die Freiheit, sich selbst eine Website einzurichten, Herr oder Herrin im eigenen (virtuellen) Haus zu sein. Klar? Klar! „Gatekeepers“ im alten Sinn haben bei uns wenig Möglichkeiten, weshalb auch ZENESUR in unseren Breiten nur schwer praktiziert werden kann. Würtde HIER eine Information unterdrückt, könnte sie sofort DORT auftauchen…

Aber was unterscheidet nun die neue Mediensituation vom alten Broadcasting? Der Begriff Broadcasting meint eine Kommunikationslage, in der EIN Sender VIELE Empfänger erreicht… keineswegs zufällig eine Domäne des Faschismus, historisch repräsentiert in der „Goebbels-Schnauze“, dem „Volksempfänger“: [link]

Webpräsenz meint dagegen: VIELE Sender und VIELE Empfänger in einer komplexen Kommunikationssituation. Dazu kommt in meinem Verständnis von Netzkultur ein permanentes Wechselspiel der Onlinesituation mit den Ereignissen im „analogen Raum“, denn für mich ist reale soziale Begegnung das „primäre Ereignis“, dem man durch Webstützung Erweiterungen verschafft.

Da tut sich nun ein klares Motiv auf, warum sich Trittbrettfahrer auf Websites wie unseren einfinden. Zeit ist nämlich ein enorm wichtiger Faktor im Aufbau eine Online-Community, eines Publikums im Web. Zeit und Inhalte verlangen Arbeitskraft und Dauer. Das sind Ressourcen, die nicht vom Himmel fallen.

Wenn sich also plötzlich ein Trittbrettfahrer auf meinem Terrain im Web breit macht, dann heißt das vor allem einmal: Er greift ungefragt auf meine Ressourcen zu und stürzt sich auf das Publikum, das ich erarbeitet habe; im konkreten Fall: das wir von „kunst ost“ nun über mehrere Jahre erarbeitet haben.

Er kommt, er nimmt, er hat kein Problem, durch sein Verhalten eventuell auch unsere Community zu beschädigen. Weil das aber ein höchst unredliches Verhalten ist, wird er seine Intentionen maskieren und wird eventuell meine Sanktionen als Herausgeber und als Webmaster dieser Site als anrüchig, sittenwidrig, undemokratisch BEHAUPTEN.

So kommt es dann auch, daß man mir auf unserer Website ausrichtet:
„Was nun das Verhalten von der krusche betrifft: es unterscheidet sich durch nichts vom Verhalten unserer Massenmedien während des Krieges. Es ist ein Mix aus Voreingenommenheit, Einseitigkeit, Engstirrnigkeit und völliger Intoleranz.“ (Fortsetzung folgt!)

[šok alijansa / notes #2: überblick]
[NETZKULTUR: der überblick]

Fahrten Südost #3

Netzkultur. Das Thema handelt von weit ausladenden Möglichkeiten, der Chance zur Konfusion und von bemerkenswerten Kommunikationsmomenten. Seit das Web weit, gar weltweit ist, seit Webspace fast nichts kostet und der Aufbau von Websites simpel ist, weil sich Laien mit Datenbankgestützten Dateimanagementsystemen behelfen können, sind der MeinungsÄUSSERUNG bei uns sehr geringe Grenzen gesetzt. Die MeinungsBILDUNG bleibt allerdings ein so anspruchsvoller Vorgang wie eh.

Ich erlebe gerade den sehr anschaulichen Fall von einer Art „Guerilla-Marketing“ für spröde Ansichten. In der Sache ließe sich auch das Thema „Troll“ wieder etwas beleuchten. Beides ist für politische Interessierte und für Kulturschaffende interessant, weil sich gerade in unserem Netzkulturbereich, abseits des medialen Mainstream-Betriebes, allfällige Trittbrettfahrerei ganz gut schminken läßt. Das ist ein gleichermaßen amüsantes und bedrückendes Exempel, wie so was gemacht wird.

Ob die Leute, die gerade auf dieser Website gerade in Erscheinung traten, im Sinne der Netzkultur richtige „Trolle“ sind, kann ich aufgrund der Kürze des Ablaufes noch nicht sagen. Aber die zwei Burschen, von denen noch zu erzählen sein wird, würde ich auf jeden Fall als eine Art „Web-Marodeure“ einschätzen. Marodeure sind von „Kampfhandlungen“ beschädigte Leute, die sich in Folge ihrer Schwächung nun nicht mehr gegen den ursprünglich erwählten Feind in Stellung bringen, sondern am Wegesrand auf alles losgehen, was schwächer als sie ist. Oder was sie eben für schwächer halten.

Ich breite also diese Fallgeschichte hier aus, weil es lehrreich sein kann, und wo es nicht lehrreich ist, so wird es gewiß amüsant sein. Ich habe es dabei mit Leuten zu tun bekommen, da erstaunt allein schon, daß es derart verhaltensoriginelle Typen tatsächlich gibt. Nachdem mir in dieser Angelegenheit gerade „Herrenmenschengetue“ nachgesagt wurde, ein sehr ernster Vorwurf, beginne ich bei diesem interessanten Punkt der Geschichte.

Gestern bekam ich auf der Website von „kunst ost“ Nachricht von Safeta Sulic. (Ich bin 38 Jahre alt und wohne in der Schweiz.) Sie schrieb mir: „Demnach wird jeder weitere Besuch hier überflüssig, da sich ein moderner Mensch in zensurierter Umgebung nicht wohl fühlen kann.“

Sie setzte sich also mit mir in Verbindung, um mir mitzuteilen, daß es sich nicht lohne, sich mit mir in Verbindung zu setzen.

Kleiner Einschub: Die ganze Angelegenheit dreht sich um den Ort Srebrenica und um Geschehnisse in dieser Gegend während des letzten Bosnienkrieges, in dem sich serbische, kroatische und bosnjakische Verbände feindlich gegenüber standen. Serbische und kroatische Leute nicht durchgehend, denn die waren einige Zeit auch Alliierte, als Tudjman und Milosevic meinten, sie könnten sich Bosnien und Hercegovina aufteilen. Diese Rechnung hatten sie freilich ohne Bosnjaken gemacht. Also waren sie letztlich wieder Feinde.

Warum schreibt mir also Safeta Sulic. Und warum schreibt sie mir nicht in privater Post? Warum dieses in sich nicht ganz schlüssige Auftreten in der Teilöffentlichkeit unserer Website? Weil sie eine Botschaft hat. Diese Botschaft ist ein wenig für mich bestimmt, vor allem aber für die Welt.

Die Botschaft besagt: „Was nun das Verhalten von der krusche betrifft: es unterscheidet sich durch nichts vom Verhalten unserer Massenmedien während des Krieges. Es ist ein Mix aus Voreingenommenheit, Einseitigkeit, Engstirrnigkeit und völliger Intoleranz. Das durch die Massenmedien verbreitete Bild wird eisern verteidigt, während allen Gegeninformationen sofort der Garaus gemacht wird. Diess Herrenmenschengetue ist wirklich völlig abstossend und passt zu keinem aufgeklärten und zivilisierten Menschen.“

Weshalb diese Heftigkeit? Dem ging eine (öffentliche) Korrespondenz mit zwei Männern voraus, deren Identität mir momentan noch unklar ist. Das Thema ist in Europa extrem unpopulär. Es geht um die erheblichen zivilen Opfer einer bosnjakischen Soldateska a) im Raum Srebrenica und b) im Bosnienkrieg überhaupt. Das Faktum ist unbestreitbar, seine öffentliche Debatte von Problemen umstellt.

Zurück zu Sulic. Mein „Herrenmenschengetue“ ist natürlich nicht gar so leicht belegbar. Voreingenommenheit, Einseitigkeit, Engstirnigkeit und völlige Intoleranz. Man könnte glatt annehmen, ich neige zur Vergnügungssucht, denn gemäß diesem Befund hätte ich (fast) nichts ausgelassen, was einen Autor und Kulturschaffenden in einer zeitgemäßen Kultur-Community erledigen würde.

Die Diagnose der Safeta Sulic beruht gewiß auf einer ausführlichen Lektüre meiner Publikationen. Sie beruht außerdem auf der Tatsache, daß ich kürzlich jene zwei genannten Personen, die mir nicht näher bekannt sind, jeweils zur „Persona non grata“ erklärt habe, woraus u.a. folgt, daß sie auf der Website von „kunst ost“ keine Kommentare mehr posten können.

Diese Situation wurzelt in einem Korrespondenzverlauf der Kommentare zu meiner kleinen Reflexion „fahrten südost #2“ [link] Dem war die Notiz „fahrten südost“ [link] vorangegangen, was alles — die Fahrten und die Reflexionen — mit unserer „Šok alijansa“ [link] zusammenhängt.

Es ist also ein anschauliches Beispiel, wie ein ernstes Thema zu einer Kontroverse führt, in der Leute auf einmal nicht mehr meine Argumente angreifen, sondern mich selbst. Dieser kleine, aber bedeutende Unterschied ist der eigentliche Gegenstand meiner jetzigen Ausführungen, weil uns das in der Gesellschaft, in der Politik und im Kulturbetrieb immer wieder unterkommt. Als Auslöser für Konflikte. Argumentiert jemand
+) zur Sache oder
+) zur Person?

Greift jemand die Argumente eines Opponenten an oder den Opponenten selbst? Weiß jemand Vorhaltungen zu begründen? Können diese Gründe belegt werden, etwa mit Zitaten? Auf welche Arten wird das via Web kommuniziert?

Das sind sehr grundlegende Fragen, deren Erörterung im Netzkulturbereich nützlich sein kann…

[šok alijansa / notes #2: überblick]