[Anmerkung: Dieser Text stammt von Gleidorfs Kulturreferent Karl Bauer zu seinem Bericht anläßlich der Sitzung des Gemeinderates Gleisdorf am 29.06.2026.]

Die Fertigstellung des Leitungs-Ringes am Florianiplatz, wie auch die notwendigen Transformationsprozesse im Kulturbereich gehen wahrlich in die Tiefe – der eine materiell, der andere geistig. Man musste in beiden Fällen tief graben, um an das Nervengeflecht der Gleisdorfer Gesellschaft zu kommen! Diese beiderlei freigelegten Infrastrukturen sorgen seit acht Monaten für viele Diskussionen, die in Gleisdorf offen, d.h. öffentlich geführt werden, wo aufgeklärt wird und Standpunkte vertreten werden – ein Diskurs-Hot-Spot mit starker überregionaler Beteiligung und Aufmerksamkeit!
“Tiefgreifende” Veränderungen haben immer schon zu Konflikten geführt, die persönlich, ideologisch oder politisch motiviert waren. Was zählt mehr: Körperliche oder geistige Arbeit, d.h. die Erneuerung und der Ausbau der Leitungs-Infrastruktur vom Kanal- über das Wasser- und Abwassernetz bis hin zu neuen Strom- und Glasfaserverkabelungen? – Oder unser kulturell-spirituelles Rüstzeug, das uns erlaubt, sich an die Zukunft anzupassen und resilient gegenüber negativen Einflüssen zu werden? Eine liberale Gesellschaft muss beide Ebenen gleichermaßen als ihr Kapital sehen und körperliche wie geistige Arbeit entsprechend anerkennen.
Wenn eine Stadt ihre materielle Infrastruktur nicht pflegt und ausbaut, wird die Wohn- und Lebensqualität darunter leiden. Es ist eine Verpflichtung der Gemeinden, die Daseinsvorsorge sicherzustellen und zu erhalten, auch wenn viel Geld (d.h. Steuergeld) “vergraben” werden muss. Ähnliches gilt für Schulen, Sozialeinrichtungen und das Wegenetz, wo die Gemeinde Erhalter ist. Politisch zu Handeln heißt aber auch, evidenzbasierend zu handeln und Prioritäten zu setzen, wenn die Mittel und Möglichkeiten knapp werden bzw. sie optimal einzusetzen.
Was passiert aber, wenn der Mitteleinsatz nicht ausgeglichen erfolgt und zu Lasten der Kultur geht? Vordergründig geht es derzeit um den Erhalt der gemeindeeigenen Spielstätten, die einen niederschwelligen Zugang zu allen Genres der Kultur bieten. Vielleicht ist hier auch die Eigenverantwortung und aktive Teilhabe zuletzt gesunken und sind viele Aktivitäten von der Kommune übernommen worden?
Anderseits zeigen viele Entwicklungen, dass private Vereine, Firmen und auch Kulturinitiativen die künstlerische Entwicklung vorantreiben und viele Ressourcen einsetzen. Kulturveranstaltungen fördern nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die immateriellen Werte einer Gesellschaft – vom Publikum bis zu den aktiv Beteiligten. […]
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