Ich sehe es heute genauer: Das offizielle Gleisdorf hat einen kulturpolitischen Scherbenhaufen verursacht.

Darüber könnten Kunst- und Kulturschaffende nun ihre Pölster naßweinen oder im Kreis hüpfen, wie es das Rumpelstilzchen im Märchen tut. Oder aber erstens: Die Verantwortung für die eigenen Anteile an dieser Krise übernehmen. Zweitens begreifen, daß eine Krise noch nicht das Problem, sondern erst die Umbruchssituation ist. Ab da entscheidet sich dann aus der Krise heraus: gehen wir nun Richtung Katharsis oder Richtung Katastrophe?
Auch hier gilt: geteilte Verantwortung! Die Kulturpolitik und das geistige Leben eines Gemeinwesens ergeben sich immer aus der Qualität des Zusammenspiels der drei Sektoren Staat, Markt und Zivilgesellschaft. Das meint Politik und Verwaltung, Wirtschaftsreibende sowie Privatpersonen und Rechtspersonen (Vereine).
Wo stehen wir?
Ich bemühe mich derzeit, detaillierter zu klären, was genau in Gleisdorf der Fall ist. Eines zeigt schon die Besetzung der Fachausschüsse. Ganz egal, was die Marketingabteilung bezüglich der „Kulturstadt Gleisdorf“ verkündet, im Gemeinderat ist das Thema Kultur ziemlich unwichtig.
Im „Ausschuss für Kultur, Marketing, Tourismus und Internationales“ sind nicht einmal alle Fraktionen vertreten. Da befinden sich bloß fünf Mitglieder, von denen bis heute kein offizielles Statement zur äußerst prekären kulturpolitischen Situation gekommen ist. (Es ist offenbar „wurscht“.)
Das aktuelle Spielstätten-Tohuwabohu geht ja eindeutig auf das Konto von Stadt- und Gemeinderat. Man hat es da völlig an Vorausschau fehlen lassen und in der hochfahrende Krise auf ein smartes Krisenmanagement verzichtet. Jüngst wurde da einfach geschludert.
Daß Landesmittel ausfallen würden, mußte spätestens ab dem zweiten Corona-Lockdown allen sachkundigen Personen klar sein. Wer schon die Weltwirtschaftskrise von 2008/2009 im Wachzustand miterlebt, deren Konsequenzen erfahren hat, mußte wissen: Das kommt! Budgets und Strukturen werden einbrechen.
Schläft „die Szene“?
Was geschah an der Gleisdorfer Basis Kunst- und Kulturschaffender? Offenbar nichts. Immerhin konnte leicht überprüft und festgestellt werden: Die Verwaltung hat über ein Jahrzehnt ganz erhebliche Landesmittel für den „Kulturpakt Gleisdorf“ verwendet. Dabei ist absolut nichts Bemerkenswertes entstanden, was nicht davor schon dagewesen wäre.
Damit meine ich, die durchaus üppigen Landesmittel sind vor allem für Öffentlichkeitsarbeit draufgegangen, nicht für eine belegbare inhaltliche Arbeit im Sinn des Gesetzes. Der § 1 des Steiermärkischen Kultur- und Kunstförderungsgesetz nennt unter „Ziele und Aufgaben der Kultur- und Kunstförderung“ unter anderem: „Kulturelle Tätigkeiten im Sinne dieses Gesetzes sind geistige und schöpferische, produzierende und reproduzierende Leistungen sowie die Auseinandersetzung mit ihnen. Kulturelle Tätigkeiten sind unverzichtbar für die Entwicklung der Gesellschaft, geben der Gesellschaft in all ihren Bereichen wesentliche Impulse und tragen ein starkes Innovationspotenzial in sich.“

Ich behaupte, genau das kann für den „Kulturpakt Gleisdorf“ nicht belegt werden. Ich sehe da rückblickend vor allem ein paar Termine des „Kulturstammtisches“, ein paar Pressekonferenzen und ein paar Info-Beilagen im Stadtjournal. Das wäre aber erst jener inhaltlichen Arbeit nachzuordnen, die ich freilich vermisse.
Und der Gleisdorfer Kulturreferent?
Ich bemühe mich gerade, Klarheit zu erhalten, welche Kräftespiele da zu welchen Ergebnissen geführt haben. Karl Bauer hat mir einige Einblicke geboten, auf welchen Ebenen welche Entscheidungen gefallen sind oder derzeit noch fehlen.
Welche Wirkung Bauer in letzter Zeit beim Gemeinderat erzeugen konnte, machen die YouTube-Videos von den Gemeinderatssitzungen anschaulich. Auf der Ebene war 2025 wohl eher nichts zu bewegen.
Bliebe ja die Option, mit der Basis primärer Kräfte im „Kulturpakt“ kulturpolitisch zu arbeiten. Welches Potential da vorhanden ist, genauer: fehlt, macht die öffentliche Umfrage deutlich, in der ich gar nichts finde, was konzeptionell in eine kulturpolitische Zukunft deutet.
Was nun?
Die Gleisdorfer Kulturpakt-Page bietet null Information zum Status quo. Die offizielle Umfrage ist mit ihren Ergebnissen eine kulturpolitische Bankrotterklärung jener Basis der im Kulturpakt vertretenen Kunst- und Kulturschaffenden. Die Gleisdorfer Verwaltung hat von 2013 bis 2024 für mutmaßlich diesen Bereich insgesamt € 282.500,- an Landesmitteln verbraucht, ohne daß dabei irgendetwas Innovatives entstanden wäre.
Immerhin ist eines klar. Kulturreferent Karl Bauer hat auf den Stand der Dinge mit einem Konzept reagiert, das am 9. Februar 2026 öffentlich vorgestellt wird. Ich meine, es ist angebracht, daß bis dahin auch von der Basis der Kunst- und Kulturschaffenden Vorschläge und strategische Konzepte auf den Tisch gelegt werden, auf daß sich erarbeiten läßt, wie es in einer möglichen Kooperation zwischen Kommune und Basis nun weitergehen möge. [Fortsetzung folgt!]
+) Vorlauf
+) Gleisdorf: Kulturpolitik (Übersicht)
Relevante Links
+) Kulturpakt Gleisdorf (offiziell)
+) Die offizielle Gleisdorfer Umfrage
+) Einschlägig genutzte Landesmittel (PDF-Datei)
+) Sitzung des Gemeinderates Gleisdorf 15.12.2025 (YouTube)