Gleisdorf: Archipelische Zwischenstand

Mitte November des Vorjahres war klar, daß im steirischen Kulturgeschehen eben eine Lawine abgeht. Etwas pathetisch formuliert: Wir werden sie surfen müssen oder davon verschüttet werden.

Sauer zu sein ist keine politische Kategorie.

Die Reaktionen darauf fielen quer durch das Land höchst unterschiedlich aus. Zu dem Zeitpunkt hatte sich der junge „Archipel“ schon konsolidiert und durfte als stabil gelten. Weshalb? Aus mehreren Gründen, die miteinander wirksam wurden.

Das archipelische Fundament ist unsere konzeptionelle und strategische Antwort auf einige kulturpolitische Fragen, die seit der großen Krise 2009/2010 unverkennbar gewesen sind. Daher war an den Konsequenzen von 2020/2021 (Corona) nichts überraschend.

Selbstbestimmtheit
Es war dann weder eine Zeit für schlampige Protest-Poesie, noch für emotionale Befindlichkeitsprosa. Die vorrangige Reaktion hieß auf unserem Feld: konsequente Wissens- und Kulturarbeit, gestützt auf solide Kooperation in der Praxis.

Das bedeutet auch: möglichst smarte Nutzung eigener Ressourcen im Verbund der verfügbaren Möglichkeiten. Welche Ressourcen? Grips, Kompetenzen, Arbeitszeit und Privatbesitz. Das als Ausgangspunkt, von dem her beizeiten ein neues Geschäftsmodell entstehen kann, wo Investitionen unverzichtbar sind. Und war klar: Da geht jetzt nichts schnell und es gibt keine Abkürzungen.

Von gedeckten Tischen weiß ich nichts.

Heute sehen wir: Wer das letzte halbe Jahr bloß geredet hat, statt zu handeln, wird für jegliche neue Praxis einen enormen Zeitverzug hinnehmen müssen. Da wir uns außerdem in einer umfassenden Zeitenwende befinden, ist es sehr fraglich, ob kulturpolitisches Denken aus dem vorigen Jahrhundert reicht, die aktuellen Probleme zu bearbeiten. Aber da gilt nun vor allem: Antwortvielfalt! Wir werden sehen.

Netzkultur
Das ist ein wichtiges, um sein Publikum kontinuierlich ansprechen zu können. Der Archipel hat in der Netzkultur zwei Ebenen. Die Werkbank im Austria-Forum und das Schaufenster unter der eigenen Adresse. Weshalb diese Teilung? Weil sich ein wesentlicher Teil des erreichbaren Publikums nicht auf Schübe größerer Informationsmengen einläßt.

Daher die ausführliche Dokumentation via „Werkbank“ und die lockere Übersicht im „Schaufenster“. Da wir unser „Basiscamp“ in der oststeirischen Stadt Gleisdorf haben, spielt eine besondere Rolle, was wir in jener Kleinregion umsetzen, auch wenn wir unsere Aktionsfeld überregional sehen. Es gibt im Web eine kleine Zusammenfassung, was wir seit dem archipelischen Start dort umgesetzt haben: „Archipel: Lokale Akzente“ (Spezielle Gleisdorfer Momente 2024-2026).

+) Gleisdorf: Kulturpolitik (Übersicht)

Postskriptum
Der Tenor dieser Notiz könnte übrigens an ein Zitat erinnern, das hier und an übrigen Stellen seit Corona einige Male vorgekommen ist. Um es einmal mehr mit Toni Morrison zu sagen: „This is precisely the time when artists go to work — not when everything is fine, but in times of dread. That’s our job!” Das stammt aus dem Jahr 2015, aus: „No Place for Self-Pity, No Room for Fear“ (In times of dread, artists must never choose to remain silent.)