Okay, ein kleiner Wortwitz. Lange bevor wir hier im Bezirk darüber nachzudenken begannen, daß wir aus dem Denkschema Zentrum/Provinz herauskommen sollten, haben einige Kunstschaffende der Region das schon gemacht und umgesetzt.

Der Maler Hannes Schwarz war einer von ihnen. Ich hatte ihn als eine ziemlich kompromißlosen Denker mit scharfem Verstand erlebt, der sein Reflexionsvermögen auch sehr deutlich auf sich selbst angewandt hat.
Das halte ich für eine Tugend, die ich im oststeirischen Kunstgeschehen eher selten finde. Bei Schwarz schien das auch immer ein Blick auf die ganze Welt zu sein. Im Gleisdorfer „Spiegelgitterhaus“ wurde eben eine Ausstellung mit Werken von ihm eröffnet: [Link]
Der gebotene Querschnitt durch etliche Jahre des Schwarz’schen Schaffens läßt einen erahnen, wie so ein Geist sich eben auch in außersprachlichen Formen entfaltet und äußert. Werke von einer Qualität, die internationalen Rang bedeutet, auch wenn Schwarz den internationalen Markt nicht gesucht hat.
Ich hatte bei jener Vernissage Gelegenheit, mich mit einem seiner einstigen Weggefährten ausführlich zu unterhalten. Maler Gustav Zankl blickt auf imposante 97 Lebensjahre zurück. Das bedeutet unter anderem, er und Schwarz haben die Zeit der Tyrannei erlebt, in der sie beide Zöglinge des Systems und schließlich Soldaten gewesen sind.

Erfahrungen für den Rest des Lebens, von denen Zankl betonte, man könne das nicht abstreifen, nicht loswerden. Das hab ich auch an Schwarz so wahrgenommen. Wir waren uns an diesem Vernissagen-Abend einig: der Faschismus ist nie weggewesen. Da ist es ein eigentümliches Vergnügen, sich mit jemandem darüber zu erhalten, der seine Sachkenntnis aufgrund persönlicher Erfahrungen und durch Jahrzehnte der Reflexion hat.
Was würde ich darum geben, wenn ich sie beide heute an einem Tisch haben könnte, um den Zustand unserer Welt zu debattieren. Bedacht und präzise. So habe ich auch Schwarz in Erinnerung, der auf gewisse Fragen durchaus erst einmal mit Nachdenken reagiert hat, um erst dann zu antworten.
Wenn auch rückblickende Spekulationen unzulässig sind, mag ich doch annehmen, er hätte dem zugestimmt, worin ich mit Zankl einig war. Über den Faschismus soll weder mit Pathos, noch mit Betulichkeit gesprochen werden. Entweder man tut es unaufgeregt und präzise, wie uns das etwa Hannah Arendt gezeigt hat. Oder man hat die sprachliche Kraft eines Poeten in der Liga etwa von Pablo Neruda.
Ich erinnere mich an keinen Moment mit Hannes Schwarz, in dem er Pathos oder eine Pose gezeigt hat. Sein künstlerisches Potential gab ihm andere Möglichkeiten, gewichtige Themen zu behandeln.
+) Späte Fahrten (2008: Einige Momente mit Hannes Schwarz, mit Video)
+) Das Mal eines banalen Brandeisens