Kulturpolitik: Gleisdorfer Optionen

Reden wir über Rollenklarheit. Als Künstler bin ich erst einmal nur der Kunst verpflichtet. Was sich da sonst noch an Agenda draufpacken läßt, ist anderen Zusammenhängen als der Kunst gewidmet.

Hab mir von der KI ein Schriftsteller-Klischee basteln lassen.

Geht es um Kulturpolitik, sind klare Begriffe die Grundlage einer sinnvollen Debatte. Wer im Diskurs bei solchen Fragen nicht genau sein will, hat vermutlich verdeckte Intentionen und beschädigt das Genre.

Ein Kernthema: Wie aber komme ich als Künstler zu Geld, falls ich in der Kunst leben will und andere Zweckbindungen ausschlagen möchte? Ich bin als Künstler vielleicht in einer Art der mönchischen Position. Oder eventuell Professional. Ich bin als Mitmensch im Gemeinwesen nicht bloß Künstler, sondern auch ein soziales Wesen und politisch anwesend, also ein Staatsbürger.

Daher brauche ich Rollenklarheit. um allein schon mir selbst zu verdeutlichen, welche Interessen ich mit welchen Argumente verfolge. Sonst weiß ich nicht, was ich tue. Ich lebe in der Kunst. Also bin ich auch mit Fragen nach der Marktfähigkeit befaßt, mit Überlegungen zu sozialen und politischen Aufgaben, ferner mit der Freiheit ausgestattet, mir mein Brot in einem anderen Metier zu verdienen.

Intentionen und Interessen
Freiheit ist eine Relation. Eine Beziehungssache. Sie besteht nicht für sich. Daher interessiert mich, wie Staat, Markt und Zivilgesellschaft interagieren. Also frage ich nach den Interessen von Kräften in Politik und Verwaltung, erwarte Klarheit in der Verständigung mit Wirtschaftstreibenden, bin selbst bemüht, meine Intentionen und Interessen nachvollziehbar zu machen.

Bleiben Menschen dabei unklar, sind keine haltbaren Vereinbarungen möglich, auch keine Verträge, die seriös bedient werden könnten. Wer mich dabei hinters Licht führt, expandiert auf meine Kosten und ist bereit, mir Schaden zuzuführen.

Nach meiner Erfahrung sind Geschäftsleute, die in das kulturelle Leben investieren, sehr zuverlässig, was diese Fragen angeht. Gewöhnlich wird ein gewünschter Leistungsaustausch klar formuliert, notfalls nachgebessert, was unscharf geblieben ist.

Der „Kulturpakt Gleisdorf“ ist ein interessantes Beispiel dafür, was da noch an Fragen offen bleiben kann. Ich kann mich nicht daran erinnern, daß ich bei Kulturpakt-Meetings je gehört hätte, was genau a) die Politik vorhat und b) die Verwaltung zu tun gedenkt.

Da sind klare Konzepte gefragt, weil a) die Politik von Mandatstragenden gestaltet wird, die sich auf Wahlen stützen, während b) die Verwaltung von Angestellten ohne politisches Mandat belebt wird. Politik und Veraltung sind also hierarchisch zueinander angeordnet.

Daher sind Kräfte mit politischem Mandat meine primären Gegenüber in kulturpolitischen Fragen. Die Verwaltung hat das zu begleiten. Da wird nun meine Rollenklarheit wichtig. Es gibt eine populäre Privatmythologie, die ich auch im Kulturpakt vertreten finde. Das Credo lautet: „Ich bin Künstler. Kunst ist wichtig. Man möge mir die Wege ebnen und gute Bedingungen schaffen.“

Das ist spießbürgerlicher Mumpitz. Im kulturpolitischen Diskurs verschaffe ich mir vorerst selbst Klarheit: Was sind meine künstlerischen, meine sozialen und meine politischen Anliegen? Die formuliere ich klar und verhandle entsprechen sachlich konzentriert.

Wer das ausschlägt, mit Privatmythen überlagert, führt zurück zum Verhältnis „Bittsteller/Gönner“, statt „Vom Subventionsempfänger zum Kooperationspartner“ zu wechseln. [Fortsetzung]

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