Bücher

Ich bin seit den 1970er Jahren mit dem Büchermachen befaßt. Das beruht auf einer Leidenschaft, die sich schon einstellte, da konnte ich noch gar nicht lesen. Meine älteste Erinnerung betrifft eine Enzyklopädie im Haushalt meiner Großeltern. Darin gab es beeindruckende Farbtafeln. Lithographien, unter denen mich jene mit den Tiefseefischen am meisten bewegt haben.

Raumgewinn: Bücher in Bodenhaltung

Diese lebenslange Leidenschaft inkludierte auch jene Zeit, in der ich eine vormalige Hausmeisterwohnung im Keller bewohnt hab, weil nur da der Boden für meine schulterhohe Offsetdruckmaschine tragfähig genug war. Die stand im schmalen Vorzimmer und man mußte sich an ihr vorbeidrücken, um in den Wohnbereich zu gelangen. (Nebenbei bemerkt: ich bin gelernter Buchhändler mit einem antiquiert wirkenden Lehrabschlußzeugnis.)

Ich blieb von all diesen Schritten gefesselt, von den tausend Handgriffen, die ein Buch entstehen lassen; auch wenn heute in der Welt des Digitalen etliche davon entfallen. Zum Beispiel die Arbeit am Leuchtpult, um Repros auf Standbögen mit blaßblauem Raster zu montieren. (Dieses zarte Blau wurde von der Kamera nicht erfaßt, von jenem optischen Gerät, mit dem die Folien für den Offsetdruck belichtet wurden.)

So muß ich heute nichts mehr über das Ausschießschema und den Kreuzbruch wissen, andere Details durften mit der Ära des Desktop Publishing ebenso entfallen. (Die Software hat uns allerhand abgenommen.) Doch wesentliche Arbeiten blieben gleich.

Subkultur: jedes Blatt der gesamten Auflage in die Hand genommen.

Das Schreiben und das Redigieren von Texten. Bildredaktion und Bildbearbeitung. Layout und das Korrekturlesen, welches mir nur auf Papier zusagt, nicht am Bildschirm. Schließlich das Raufladen einer Publikation, um sie im Web mit anderen Inhalten zu verknüpfen. Denn das ist neu und schließt an den unvergleichlich stabilen Datenträger Papier an. Das Vernetzungspotential mit den Optionen an Teleworking und Telepräsenz.

Damit bin ich übrigens seit der Mitte der 1980er Jahre vertraut. Das hieß bisher vor allem: Hypertext Markup Language (HTML), PDF-Dokumente und Content Management-Systeme. (Inzwischen kam NID als neue Option dazu, die Net Interactive Documents.)

All das nimmt den Büchern in meinem Leben nichts an Rang. Aber es bekräftigt und vergrößert, was ich als magische Handlungen erlebe und was konkret heißt, daß ich meinen Zugang zur Welt über individuelle Erfahrungen hinaus erweitern kann. Das bedeutet praktisch: Ich muß nicht alle Erfahrungen selbst machen.

+) NID: Net Interactive Documents
+) Übergänge (Die Arbeit an einer nächsten Erzählweise im Web)

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffend
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