Professionelles Gezeter

Systemwechsel sind mir im Büro extrem zuwider. Da winkt mir zwar ein schnellerer, stabilerer Rechner, aber der ganz Umbau frißt eine Menge Zeit, ist voller Unwägbarkeiten und vor allem: ich muß mich in Details umstellen. Kurz: ich mag das nicht!

Zugegeben, eine derart beharrliche Position der Rückständigkeit kann man eigentlich nicht laut vertreten. Andrerseits trage ich Klamotten bis sie fadenscheinig werden und schließlich einreißen. Ich hab viele alte Bücher und auch sonst allerhand altes Zeugs.

Ich war technisch nie auf der Höhe der Zeit, weil mich die Inhalte zu sehr beschäftigt haben. Auf dünkelhafte Art mag ich es, mit Elektronik-Schrott zu arbeiten. Und wird nicht meine ganze v@an-site nach wie vor Page für Page in HTML gebaut? Man könnte sagen, ich sei ein Konservativer.

Der neue Rechner stand schon eine Weile in einer Ecke des Büros herum. Die quälenden Update-Routinen von Windows, nur mit Hammerschlägen zu bremsen, hatten mir schon klar gemacht: der Umstieg wird unausweichlich. Aber nicht jetzt, nicht heute, morgen lieber auch nicht.

Was geschah? Plötzlich finster. Nicht einmal eine Blue Screen. Bei neuerlichem Hochfahren meldete das System thermische Probleme. Thermisch! Und erneut: zack! Aus! Da fragt man sich sofort: Wann hab ich zuletzt Backups angefertigt? Dann das Gehäuse aufreißen und meinen antiquierten chinesischen Ventilator dazugestellt. (Der Sprudler hat den Durchmesser einer Bratpfanne.)

Na, was soll ich sagen? Hilft kaum. Nun schraube und hämmer ich schon etliche Stunden an der neuen Maschine herum, um alles zum Laufen zu bringen. Kleinweise schaufle ich ungesicherte Daten von der alten Maschine herüber, weil die immer wieder kollabiert. Genau! Thermische Probleme.

Ich weiß natürlich, wie konzentriert man dabei vorgehen muß. Beim letzten Systemcrash hab ich per Schlamperei bei der Umstellung zwei Drittel aller Fotos von 2007 abgeschossen. Das ärgert mich heute noch. Jetzt ist es Mittag und ich will nicht herummeckern. Man bezahlt die Zeche eben, wenn man als sein eigener Systemadministrator schludert und diesen Job eigentlich nicht mag.

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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