
In Gleisdorfer stehen radikale kulturpolitische Debatten an, weil im Kielwasser der Corona-Lockdowns gekommen ist, was zu erwarten war. Natürlich erlebt diese Gesellschaft Einbußen an Wohlstand und Komfort.
Dieses Kräftespiel vermischt sich mit hausgemachten Problemen der Politik und Wirtschaft.
Das stellt uns alle vor interessante Aufgaben. Wer jetzt nicht mit offenen Karten spielt, belastet und beschädigt die anstehenden Prozesse.
Mein Metier
Ich höre so manches Geschwafel, was die Aufgaben der Künstlerinnen und Künstler seien, vor allem gegenüber des Gesellschaft, was dann – bei Erfüllung – mit entsprechenden Gratifikationen bedacht werden soll.
Die billige Verhandlungsgrundlage lautet – polemisch verkürzt: „Ich bin Künstler. Kunst ist wichtig. Die Gesellschaft möge mir meine Wege zu ungetrübter Kunstpraxis ebnen.“ Das halte ich für sozialromantischen Mumpitz, der überdies aus der Kunstgeschichte nicht herleitbar ist.
Ich mißtraue solchen Litaneien, in denen allerhand „gesellschaftlicher Nutzen“ von Kunst behauptet wird. Jemand betet das vor, die Gemeinschaft bestätigt. Ich bin für mehr Trennschärfe und Genauigkeit, stütze daher mein Selbstverständnis als Künstler ganz wesentlich auf zwei Themen.
+) 1.: Ich hab mit den Jahren geklärt, was meinen Beruf ausmacht und von welchen Aufgaben der handelt.
+) 2.: Ich habe ebenso geklärt, was mich als Mitmensch im Gemeinwesen ausmacht und welche Verpflichtungen das mit sich bringt. Ab da ist die erwähnte Trennschärfe nötig, um die Agenda nicht schlampig zu vermischen. Meine künstlerischen und meine sozialen, also auch politischen Agenda berühren sich zwar, aber sie decken sich nicht.
Kunst, um zu… ist meist keine!
Ich mißtraue populären Konzepten, die eine „Kunst um zu…“ hervorbringen, der Kunst dann heilende oder erzieherische Kräfte abverlangen. Ich akzeptiere als Künstler soziale Verpflichtungen, weil ich Mitmensch bin. Ich gehe diese Verpflichtungen als Mitmensch, nicht als Künstler ein. In solchem Zusammenhang übernehme ich auch politische Verpflichtungen und hab eine sehr konkrete Auffassung von Ethos. Das kann zwar Thema eines Kunstwerkes werden, doch die Kunst ist kein Werkzeug dazu.
Anders ausgedrückt: Dem Sozialen und Politischen ist die Kunst und meine Kunstpraxis nicht auf solche Art unterworfen. Das Vorherrschende Ethos ist in der Kunstpraxis die Folgerichtigkeit. Konsequenz im Denken und Handeln. (Wie sollte sonst Erkenntnis möglich werden?)
Vor rund einem Jahr war zu notieren: „Ich halte die Kunstpraxis für eine menschliche Methode des Erkenntnisgewinns.“ Das erachte ich als eine der wichtigsten Qualitäten meiner Kunstpraxis, zu der wir vor vermutlich etwa 70.000 Jahren fähig wurden, als Menschen das symbolische Denken entwickelt haben.
Es ist nicht nötig, der Kunst darüber hinaus soziale Aufgaben draufzupacken. Dafür haben wir andere Verfahrensweisen zur Verfügung, die sich mit dem Kunstgeschehen gut verknüpfen lassen. Ich betone solche Klarheiten, weil es für anstehende kulturpolitische Debatten in Gleisdorf nötig ist, daß wir klare Begriffe haben und wissen, wovon wir reden. Denn da geht es um die Regulierung staatlich geprägter Vorhaben und es geht um den Einsatz öffentlicher Gelder.
Deshalb, werte Kolleginnen und Kollegen, kommt auf den Punkt! Rafft Euch zu klaren Aussagen auf und erspart dem Gemeinwesen verdeckte Intentionen, Schönrederei, vor allem aber: erspart diesem Prozeß Kompetenz-Simulationen, wie ich sie schon kennengelernt habe.
Das erwarte ich freilich genauso von Politik und Verwaltung. Eine ethisch klare Position ohne verdeckte Intentionen für eine Arbeit am Gemeinwesen, in der auch tatsächlich das gemacht wird, was gesagt und vereinbart worden ist. (Stichwort Pakttreue.) [Fortsetzung folgt!]
+) Vorlauf
+) Gleisdorf: Kulturpolitik (Übersicht)
Vor rund einem Jahr notiert
+) 14. Jänner 2025: Rund um das Essenzielle (Diskurs und Praxis)
+) 18. Jänner 2025: Kulturelles Politik-Karaoke I
+) 19. Jänner 2025: Kulturelles Politik-Karaoke II