Mir fiel auf, daß da nun schon eine Weile von ihm keine Kommentare mehr zu meinen Facebook-Notizen kamen.

Jetzt weiß ich, weshalb. Raimund Hofbauer ist gegangen. Ich hatte ihn so bezeichnet, Traktorist, seit er mich vor Jahren gegen meine Bedenken zur Teilnahme an einer Protestfahrt überredet hatte. Was damals als „Korso für die Freiheit“ angekündigt wurde, hatte inhaltliche Schwerpunkte, denen ich nicht zustimmen konnte.
Ich saß dann gut zwei Stunden hoch über dem Geschehen in der Kabine von Hofbauers etwa sechs Tonnen schweren New Holland, denn der Korso wurde im Schrittempo abgewickelt. Zeit genug für eine ausführliche Unterhaltung. Dabei wurde sehr deutlich, daß unsere politischen Ansichten konträr zueinander standen und in einigen markanten Punkten vollkommen unvereinbar waren.
Dieser Kontrast in unseren Weltanschauungen blieb deutlich, obwohl wir uns gut verstanden. Sie ahnen vielleicht, was da exemplarisch angeklungen ist. Ein Aspekt, der gerade in jenen Corona-Tagen sehr selten zu sein schien. Nämlich: Was uns trennt, wissen wir schnell. Aber was teilen wir dann noch?
Na, zum Beispiel das Interesse an der agrarischen Welt. Ohne wenigstens grundlegende Kenntnis davon kann man nach meiner Auffassung diese Region nicht verstehen. Hofbauer, der mit landwirtschaftlichen Maschinen gehandelt hat, war zu dem Thema natürlich sehr sachkundig.
Ich konnte also auf einen Teil seines Denkens neugierig sein, während ich einen anderen Teil davon ablehnen mußte. Damit wir uns richtig verstehen, ich hab den Mann gemocht. Zwischen uns war keinerlei Feindseligkeit.
Das drückte sich manchmal in banalen Alltagsmomenten aus. Etwa wenn ich gerade südlich von Gleisdorf über die Felder ging. Da kam eine markante Staubwolke auf mich zu. Hofbauers mächtiger Traktor hielt neben mir, die Kabinentür flog auf, er grüßte herunter, wir plauderten eine Weile, dann setzten wir unsere Wege fort.

Wie oben erwähnt, was uns trennte, wußten wir. Es wäre töricht gewesen, einander belehren zu wollen. Außerdem darf in einer Demokratie jeder Mensch denken, was er will. Das muß einem freistehen. Daran kann nicht gerüttelt werden. Unsere weltanschaulichen Differenzen waren bloß eine Angelegenheit. Aber wir haben eben auch etwas geteilt.

