Ich höre so allerhand Geschwafel zu den Stichworten Kulturbetrieb und Kulturpolitik. Ich bin inzwischen seit 50 Jahren aktiver Teil des steirischen Kulturbetriebs, davon rund 40 Jahre als Freelancer.

Das meint, ich bin ein primärer Akteur des Metiers. Durch Leute wie mich entstehen Werke, kommen Prozesse in Gang, dank derer andere Professionen und Ämter überhaupt erst ihre Funktion erhalten.
Ich kenne eine Menge Debatten zur sozialen Lage Kunstschaffender in Österreich. Ich kenne aber vor allem die Realität. Dazu meine ich, daß a) Selbstbestimmung einen eher hohen Preis hat, wobei man b) der Frage nach Marktfähigkeit nicht ausweichen kann, während ich c) auf sehr genauer Argumentation bestehen muß, wenn jemand den Staat, wahlweise die Gesellschaft, bezüglich Existenzsicherung in die Pflicht nehmen möchte.
Rollen in Personalunion
Ich bin ja nicht nur Künstler. Ich bin auch Staatsbürger, politischer Mensch, Teil eines Gemeinwesens. Ich habe daher höchst genaue Vorstellungen, welche Agenda ich als Kunstschaffender bevorzuge, was mein Job als Kulturarbeiter ist, und wie ich im Gemeinwesen als Mitmensch erlebt werden möchte.
Die Summe meiner Aktivitäten ist sehr wesentlich zwei Genres gewidmet. Erstens der Kunst, zweitens der Wissens- und Kulturarbeit. Das handelt von ganz unterschiedlichen Aufgaben und Verpflichtungen, über die ich bei Bedarf gerne Auskunft gebe.
Bei all dem beachte ich die Potentiale des wechselhaften Zusammenspiels von Kunst, Wirtschaft und Wissenschaft. Drei Systeme nach höchst unterschiedlichen Regelwerken, mit denen ich aber gesamt umgehen können muß.
Ich halte es für selbstverständlich, mit diesen Bedingungen arbeiten zu können und in diesem gesamten Sinn mein Handwerk zu verstehen. Deshalb brauche ich auch keine Zurufe von „oben“ oder von außen, denn ich weiß sehr genau, was ich tue. Aber wir können jederzeit verhandeln, was der Fall sein soll, wenn wir eine Kooperation erwägen.
Förderungen?
Deshalb beziehe ich auch keine „Förderungen“ vom Staat. Wenn ich mit öffentlichen Geldern arbeite, dann deshalb, weil wir eine Deal haben, der sehr genau definiert ist. Staatliche Stellen „unterstützen“ mich nicht. Sie bringen in unseren Deal ihre Ressourcen ein, ich meine, was in einem Vertrag sehr detailliert festgelegt wurde. Oder es gibt keinen Deal.

Eine Förderung bekäme ich, wenn man mir Ressourcen überließe, ohne das an Bedingungen zu knüpfen. Das wäre Mäzenatentum. Nicht einmal ein Sponsor „fördert“ mich, denn er bringt Mittel ein, um über meine Arbeit einen Imagegewinn zu lukrieren. Ergo: Deal.
Autonomie
Als Künstler bin ich autonom, aber wenn ich meine Werke verkaufen will, unterliege ich den Gesetzen des Marktes. Das sind allerdings keine Kategorien der Kunst. Als Kulturarbeiter bin ich Dienstleister, der für Leistungen bezahlt wird. Aber ich bin auch ein engagierter Bürger, der bezüglich Wissens- und Kulturarbeit vieles ehrenamtlich macht. Unbezahlt.
Ich entscheide, mit welcher Gemeinwesenorientierung ich Leistungen ehrenamtlich erbringe, andere auf den Markt trage. Ich entscheide, welche Deals ich bevorzuge und welche ich ausschließe. Klar ist, daß man mit dieser Orientierung nicht reich wird und daß es manchmal finanziell kracht. (Selbstbestimmung hat ihren Preis!)
Das ist ganz normal, wie für jedes EPU Österreichs. Ein-Personen-Unternehmen. Dazu zähle ich. Das Gros heimischer Betriebe. Zitat: „Rund 60 % aller Unternehmen in Österreich sind EPU.“ So notiert im EPU Factsheet der Wirtschaftskammer, Zahlen, Daten und Fakten, Stand 2025, als PDF-Datei (315 Kb).
Wenn Sie also mit mir über Kunst, den Kulturbetrieb und einschlägige Politik reden möchten, sollten sie inhaltlich gut gerüstet sein, vom Metier eine Ahnung haben, denn wie schon erwähnt, ich verstehe mein Handwerk. Sowas debattiere ich nicht mit jemandem, der davon keinen Tau hat.