Orange: Zerfleischen und verbluten lassen

Meldungen vom 14. Juli 2026 besagen, eine Ehefrau sei aufgrund massiver Verletzungen im Genitalbereich und Bauchraum verblutet. „Der Mann spricht von einem Unfall.“ [Quellen: Die Presse, Kurier, ORF]

Zufall? Unfall? Ausfall?

Ich bin darüber immer noch etwas verstört, weil selbst der Hauch einer Vorstellung dieser Attacke entsetzlich ist. Mir fällt zu beidem nichts Angemessenes ein; daß nämlich erstens ein Mann seine Frau offenbar mittels sexualisierter Gewalt zerfleischt und dann sterbend liegen läßt, daß er sich zweitens auf einen Unfall rausredet.

Wie muß ich mir so eine Haltung vorstellen? Muß ich nicht. Wer alles wird diesen Vorfall jetzt als eine Abscheulichkeit abtun, die sich ein mutmaßlich pathologischer Charakter erlaubt hat? Aber so geht das nicht! Erstens sind psychologische Fernbefunde vollkommen unzulässig. Wir wissen nichts über die inneren Zustände dieses Mannes.

Zweitens würde solche Stümperei aus der „Abteilung Küchenpsychologie“ davon ablenken, was wir sehr wohl wissen und beachten können. Daß nämlich Jahrzehnte der öffentlichen Debatten bis heute nichts an diesem gesellschaftlichen Klima geändert haben. Einem Klima, in dem Frauen jederzeit und schlagartig an ihrem Leben bedroht sein können.

Das hat einen markanten Angelpunkt in unserer vorherrschenden Männerkultur, die bis heute keine stabilen Schranken um folgendes Problem gebaut haben: Wenn ein Mann verachtet, was er begehrt, ist ein Frauenleben in Gefahr.

(Quelle: ORF)

Hand in Hand mit diesem Problem finden wir ein dubioses „Souveränitätskonzept“, welches recht unscharf von „Mannesstolz“ handelt, von „Ehre“, vor allem aber von einer erstaunlichen Unfähigkeit vieler Männer, mit Zurückweisung und Frustration zurechtzukommen. Wir erfahren ja laufend von solchen Vorfällen der Gewalttätigkeit.

Am 17. Juni 2026 berichtete der ORF: „Arzt in Graz soll jahrelang Patientinnen sediert und sexuell mißbraucht haben“. Am 22. Juni 2026 hieß es: „62-Jähriger soll Ehefrau mit Messer in Bauch gestochen haben“ (ORF). Am 30. Juni 2026 der Mann mit der Axt: „Mann soll Ex-Partnerin schwer verletzt und ihren neuen Freund getötet haben“ (ORF).

Muß ich mit der Aufzählung fortfahren? Nein. Wozu auch? Es kommt in Varianten allerweil derselbe Dreck daher. Bei dieser hohen Dichte solcher Vorfälle stellt sich die Frage, was wir, speziell wir Männer, zu tun gedenken, weil hierzulande ganz unübersehbar ein nennenswerter Anteil der Spezies sein Packerl eigener Kompetenzmängel mit einem hohen Maß an Gewaltbereitschaft stützt.

Wie sich quer durchs Jahr leicht belegen läßt: Falls so ein Disposition mit der Ablehnung durch eine Frau, mit Zurückweisung zusammenkommt, gibt es oft verletzte, auch tote Frauen. Keine Gesellschaft kann Gewalttaten verläßlich ausschießen. Aber wir können solches Gawaltpotential mit hohen Barrieren einzäunen. Das beginnt damit, Frauenverachtung bei jeder Gelegenheit, in der sie uns begegnet zu ahnden. Von dieser Anforderung kann sich niemand selbst suspendieren.