Besucht man die Plattform „Art Challenge“, trifft man dort unter andrem auf den Maschinisten „KI vom Diwan“. Eine Figur, die von einer realen Person geleitet wird.

Und zwar vom Science Fiction-Autor Jürgen Kapeller. Von ihm stammen so lapidare Sätze wie „Die KI ist eine Echokammer unserer gesamten Identität als Spezies.“ Oder er meint: „Kunst bietet keine Lösungen an, sie aktiviert lediglich.“ Sie merken schon, in seinem Revier spielt die sogenannte Künstliche Intelligenz eine markante Rolle.
Der Divanist sagt klar: „Wer sich der Illusion hingibt, dass die KI fehlende persönliche Fähigkeiten kompensieren oder ersetzen könnte, wird rasch auf dem Boden aufklatschen.“ [Quelle] Er weiß überdies: „KI-Systeme investieren enorme Rechenkapazitäten in das Filtern von Inhalten.“ Und sie liefern uns eine Menge Klischeehaftes. Rollenbilder, Körperbilder, Geglättetes, Geschöntes.
Wir sollten uns dringend damit befassen. Ich bemerke in den Social Media eine wachsende Flut an KI-Produkten, die sich beispielsweise als kleine Videoclips (Reels) zum Zeittotschlagen anbieten. Dabei ein starker Hang zum Skurrilen, zu Geschlechterstereotypen und recht kuriose Stoffe, die mit Gewaltmomenten vermischt werden.
Wo KI eingesetzt und nicht mit strenger Hand geleitet wird, gehen die Ergebnisse sehr zügig in die Richtung von bewährten Klischees. Das bedeutet für Frauen nichts Gutes. Wir müssen mit diesen Systemen praktische Erfahrungen sammeln.
Kapeller demonstriert diese Klischee-Tendenz etwa mit dem KI-Produkt „Beziehungsdynamik“. Das kommt wie ein „Fotoroman“ aus meinen Jugendtagen daher. Als Autor geht er dann zum Beispiel mit „Lissi“ an den realen Stand der Dinge heran: Ein hohes Gewaltpotential, welches sich laufend gegen Mädchen und Frauen entlädt.
Zitat:
Weil er schlogt holt schnöll zua!
und es losst ehm ka Ruah
wenn’d Lissi net pariert.
Hot sie no immer net kapiert,
wia er sie hobn wüll? [Quelle]
Auch da ist bei der KI-generierten Illustration die „Heftlroman-Ästhetik“ unübersehbar. Ich denke, wir sollten uns für diesen kulturellen Paradigmenwechsel, der eben stattfindet, mit einer Sensibilisierung durch spezielle Wahrnehmungserfahrungen rüsten.
Damit meine ich, daß es mir gelingt, meinen Blick für die Plausibilität von Bildern und Texten zu verfeinern; mit der Konzentration auf KI-Produkte. Um Erfahrungen zu machen, wie speziell die Ästhetik von KI-Produkten sich zeigt. Anmerkung: Das Wort Ästhetik kommt vom griechischen Aisthesis = Wahrnehmung.
- Orange the World 2025 (Übersicht)
- KI vom Divan (Art Challenge)

