Zugegeben, ich wundere mich noch ein wenig, obwohl sich das Phänomen fast wie nach Lehrbuch zeigt.

Zugriffszahlen sind ja für sich noch nichts, was einen besonderen Effekt brächte. Falls ich einen Themenmix forciere, der mir im Web steigende Werte bringt, müßte ich mir erst ein passendes Geschäftsmodell ausdenken und einige Deals machen. Dann könnte sich diese Situation bewirtschaften lassen.
Ich hab an diesem Weg kein Interesse, behalte aber ein Augenmerk auf die Insights, um zu sehen, was sich wie zu was anderem verhält. Aktuelles Beispiel: Mein schlechtes Foto eines Lamborghini Urus von hinten und diese Zeilen im Facebook: „Downtown Gleisdorf: Ich bin zwar ein routinierter Automobil-Paparazzo, aber manchmal eben zu langsam. Hier entschwand der Lamborghini Urus. Ein Lambo als SUV, das ist ja ungefähr so kurios wie der Ford Mustang als elektrische Blockhütte. Ich bin gespannt, was der Markt in den kommenden zehn Jahren noch so rausschiebt.“
Vor 23 Stunden raufgeladen, nun 5.131 Zugriffe. Derlei fiel mir kürzlich auf, da hatte ich über Marketing-Aspekte eines chinesischen Elektro-Roadsters gemeckert und zack! In wenigen Tagen waren mehr als 41.000 Zugriffe festzustellen.

Was nützen mir nun solche Betrachtungen? Ich bekomme einen deutlicheren Eindruck, wie sich Boulevard und Nische konkret zueinander verhalten. Mit meinen Beiträgen zu Kunst und Kultur finde ich im Web eine zufriedenstellenden Publikums-Situation, wo sehr oft zwischen 150 und 400 Zugriffe festzustellen sind.
Diese 400 zu 40.000 sagen also, ich kann mit passenden Themen auf dem Boulevard das Hundertfache dessen erreichen, was in meiner Nische mit Kunst und Kultur geht. Das irritiert mich keineswegs. Es gibt meiner Vorstellung von Boulevard und Nische bloß Nuancen.
+) Netzkultur
++) Boulevard und Nischen (Es gibt Arbeit!)
++) Netzkultur: Quotenausreißer (Ruhe bewahren!)
++) Clickbait (Allerhand Quoten-Trubel)

Postskriptum
Ein amüsantes Detail. Meine Lambo-Notiz kommentierte ein Raman Hussein originell: „Bro du bist nicht langsam… du liegst einige Jahre zurück .. wer redet heute noch über den Urus“. Der Facebookie hat zwei „Freunde“ und keine Beiträge. Da draußen sind also eine Menge Geisterfahrer unterwegs, deren Zuspruch das Rauchen und Raunen auf dem Boulevard verdichten, aber uns Kulturleuten nichts bringt.
