Den Luis Siegl („Teglich Alois“) kann man zuweilen auf der Bühne erleben. Als Musiker, als Sänger, als Erzähler kontrastreicher Momente.

Bei diesem Autor kommt nichts Weichgespültes vor. (Ich tippe auf eine Euphemismus-Allergie.) Da er auch mit visuellen Codes gut vertraut ist, Graphisches und Typographisches nutz, um seine Möglichkeiten zu erweitern, erscheinen gelegentlich Booklets in limitierter, nummerierter Auflage.
Aktuell ist das die schmerzliche Episode „Indianer und Katheter verliefen sich in mir“, von Nicolas Dellamartina recht expressionistisch illustriert. Was Luis etwa ein „medizinisches Entwürdigungsgerät“ nennt, ist ja nicht gerade Gegenstand von Salonplaudereien.
Das korrespondiert übrigens mit meiner aktuellen Themenleiste „Steinwurf und Burgunder“ (Blicke und Debatten), die unter anderem davon handelt, daß sich manche von uns weigern, als „Senioren“ zu firmieren, sondern recht ungeschminkt alte Männer sein möchten.

Wir sind ja überhaupt eine der ersten Generationen der Menschheitsgeschichte, in der so viele Menschen einer Alterskohorte so alt werden konnten, wie wir es derzeit sind; und das in einer sehr passablen Verfassung, wenn man die Situation mit der Zeit unserer Großeltern vergleicht.
Da gibt es noch wenig Erfahrung, welche Rollenbilder wie gestaltet werden mögen, um nicht dauernd gegen eine Wand des Schweigens oder gegen eine Schamgrenze zu knallen. Sie kennen ja die üblichen Bilder und Heldenposen, mit denen wir alle behelligt wurden und die im Kino nach wie vor regieren.
Der souveräne, meist unüberwindliche Held, wie er schräge Blicke abstellt und Beleidigungen notfalls mit Blut abwäscht; all das in zeitgemäßer Kampfchoreographie, daß einen etwa Liam Neeson in blankes Staunen versetzt, denn der ist immerhin Jahrgang 1952. Naja, Kino!