Heute ist der 24. Februar. Da trennen uns bloß noch einige Tage vom 8. März, dem Weltfrauentag. Hinter uns liegen „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“, die jährlich zwischen dem 25. November uns 10. Dezember festgelegt sind.

In diesen Wochen, vom Ende November 25 bis zum heutigen Tag, lieferte uns laufende Berichterstattung weiter ungebrochen Nachrichten über Gewalttaten gegen Frauen. In der öffentlichen Wahrnehmung scheint sich da nichts bewegt zu haben.
Ich nehme an, eine Gegenbewegung muß unbedingt da ansetzen, in öffentlichen Diskursen jeglichen Euphemismus zu vermeiden und explizit von Morden, von Femiziden, zu sprechen.
Im Privaten muß jegliche Abschätzigkeit gegenüber Frauen mit Einwänden beantwortet werden. Wie ich überzeugt bin, daß jedes Massaker des 20. Jahrhunderts mit einem Krieg der Worte begonnen hat, so habe ich keinen Zweifel, daß Femizide in einer Frauenverachtung wurzeln, die in abschätzigen Alltagsdiskursen beginnt.
Das hat seine Grundelemente in kleinen Witzeleien. In Gesellschaft beginnt die Kumpanei mit derlei arroganten Konsorten, solche Witzeleien mit Lachen zu bestätigen. (Leicht zu erraten, was sich an mangelhafter Selbstachtung hinter diesen Posen verbirgt.)
Ich hab im Austria-Forum die Kolumne „Transit“ (Was in der Schwebe liegt) mit Notizen zu meinen wiederkehrenden Rundgängen auf Friedhöfen. Mich interessiert, wie und womit Menschen in diesen Zonen ihre Emotionen mitteilen. Dabei fiel mir ein Grab mit QR-Code auf, dem ich erst zuhause ins Web folgte: „Plötzliches Ende“ (Ein Femizid).
So war auf dem Grabmal in kodierter Form vermerkt, daß Bernadette von ihren Exehemann verprügelt und erwürgt worden ist. Ich hab keine bestimmte Meinung zu dieser Form der Kennzeichnung. Wäre der Mord besser gut lesbar betont?
In dieser Frage kann man Angehörigen keinerlei Vorschriften machen. Deren Entscheidung muß respektiert werden. Ich war dann allerdings erstaunt, welche Zugriffszahlen meine Notiz erhalten hat. Als die 500er Marke fiel, als es Richtung der 1.000 ging, dacht ich noch: Aha, reges Interesse.

Und heute? Vom 12. Februar 12:10 Uhr bis zum 24. Februar 12:14 Uhr zeigt der Zähler 17.878 Zugriffe. Man mag einiges für Suchmaschinen in Abzug bringen, bleibt immer noch eine Zahl an Hits, die sich als ein erwähnenswertes Interesse am Thema deuten läßt.
Ich stelle mir vor, es wäre über Berichterstattung und Social Media laufend in aller Deutlichkeit sichtbar, wie viele Frauen in unserer Mitte getötet werden, weil ein Mann mit seinen Emotionen anders nicht fertigwerden konnte. Dann würden wir das eventuell als ein Schlachtfeld erkennen.
+) Plötzliches Ende (Ein Femizid)
+) Transit (Was in der Schwebe liegt)
+) Orange (Übersicht)