Orange: Das Töten

Derzeit zeigt mir mein Blick aus dem Fenster, so könnte man sagen (eigentlich: mein Blick in die Welt), jeden Tag Gewalttätigkeit in allen denkbaren Dimensionen und Zusammenhängen.

Der Soldat des Tyrannen.

Ob Staat, ob privat, Menschen tun einander Entsetzliches an. Nein, ich bin kein Kulturpessimist. Aber ich merke, daß diese hohe Dichte der Berichte über Gewalttaten in mir eine wachsende Unruhe auslöst.

Es ist mir freilich kein Rätsel. Ich hab eine klare Vorstellung, wie das alles kommt. Im Kern sind das die Früchte einer dominanten Männerkultur, die Gewalttätigkeit über Jahrtausende als konstituierende Qualität verfeinert und forciert hat.

Meine vorherige Orange-Glosse war mit diesem Satz zu eröffnen: „Ich bin als Mann begünstigter Teil einer vorherrschenden Männerkultur, die unübersehbar tief in ihren Fundamenten ein paar massive Probleme hat.“ Das bezog sich auf die ungebrochene Welle an Gewalt gegen Mädchen und Frauen in unserem Land.

Im Kontrast zu all dem hatte ich am 5. Jänner 2026 via Facebook folgendes notiert: „die hütte ist warm, der kühlschrank leidlich gefüllt, ich hab gute drinks, ich mag meine arbeit, es gibt ein paar menschen, die meine gesellschaft schätzen, meine zukunft ist ungewiss, muss aber nicht mehr gar so lange halten. mir scheint, um sehr viel mehr brauch ich mir den kopf nicht zu zerbrechen. naja, die welt…“

Und ergänzend: „was freilich zu bedenken bleibt: nicht alle wissen, was waffen und bewaffnete männer menschen antun können. ich aber weiss es, weil ich jene gefragt habe, die dabei waren. und ich bin der sohn eines mannes, der es wusste.“

Ich war dann überrascht, daß diese Notiz schnell mehr als 800 Zugriffe hatte, was bei meinen Themen meist eher untypisch ist. Ich bin anschließend hinter den Kulissen gefragt worden, was es mit dem Nachsatz auf sich habe.

Ich kenne Dinge, die es nicht geben dürfte. Das hat komplexe Zusammenhänge quer durch viele Jahrzehnte. Dazu gehört unter anderem, daß mein Vater, Jahrgang 1924, ein hoch dekorierter Kriegskrüppel war. Das heißt, er war erst Anfang 20, als der Krieg geendet hat. Den hatte er wegen einer Straftat in einem Bewährungsbataillon überlebt, einer Einheit mit sehr hoher Todesrate.

Ihm lag als alter Mann einiges daran, mir ein paar Einblicke in diese Zusammenhänge anzubieten. Also übergab er mir Aufzeichnungen, die er mit seinem Computer verfaßt und über einen lärmenden Neun-Nadel-Drucker rausgehauen hatte. Darunter diese Szene vom Kampf in den Wäldern…