Orange: Männerkultur

Ich muß es mir nicht ständig vor Augen halten. Aber es ist etwas Konstituierendes. Als Mann bin ich unausweichlich Repräsentant des Patriarchats.

Klischeeproduktion per KI.

Das läßt sich nicht abstreifen oder ausblenden. Aber es steht mir frei, kein Agent des Patriarchats zu sein. Dennoch bleibe ich Nutznießer dieser vorherrschenden Männerkultur. Das ergibt sich aus der Konzeption des Patriarchats und seiner umfassenden Institutionalisierung.

Die Geburt ist das Aufnahmeverfahren. Der Rest ist Assimilation. Es erübrigt sich die Frage nach Legitimierung, denn die wird – ähnlich der Idee vom „Gottesgnadentum“ – aus der Transzendenz bezogen. Das macht Beweisverfahren überflüssig.

Diese Art der Assimilation funktioniert so gründlich, daß ich selbst nach Jahrzehnten und trotz aller Erfahrungen, Debatten und Reflexionen, nie genau wissen werde, wie weit sich das in mir auflösen läßt und was davon weiter Bestand hat.

Ich gehe davon aus, daß eine umfassende Absetzbewegung von dieser vorherrschenden Männerkultur individuell gar nicht machbar ist. Ich müßte ja grundlegende Teile meiner Identität extrahieren. Es kann aber anders laufen. Über einen Wandel, über ein Umgestalten der eigenen Rolle im „laufenden Betrieb“.

Also: Transformation statt Extraktion. Ich bin immer noch der patriarchal sozialisierte und geprägte Mann, als der ich einst auf die Reise geschickt wurde. Ich bin Teil dieser vorherrschenden Männerkultur, aber ein Abtrünniger, was deren Macht-Konzept angeht.

Ich sehe keinen Nutzen darin, meine patriarchalen Anteile allenfalls zu leugnen. Im Gegenteil. Je besser ich sie kenne, um so verläßlicher kann ich sie umgestalten. Das sind sehr persönliche Vorgänge, die sich nicht zur Inszenierung auf Bühnen eignen. Es kommt auch nicht durch Slogans und Zurufe voran, sondern durch die sichtbare Praxis.

Postskriptum
Das Foto zu dieser Glosse ist das Produkt einer „Künstlichen Intelligenz“. Die KI ist eine gigantische Klischeemaschine, was bedeutet, von einer generativen KI werden zu meinem eigenen Prompting Rechercheergebnisse des Systems eingespeist. Ein KI wertet aus, was die Software als häufig, relevant, vorherrschend interpretiert. Ich habe also hier das Klischeebild eines Dichters erhalten.