Vernetzung! Vernetzung! Vernetzung! So hallt es durch die Region, wenn das Kulturvölkchen unter Druck gerät, wenn ein Mangel an Budgets und Sichtbarkeit zu beklagen ist, wenn kulturpolitisches Personal sich im Licht der Öffentlichkeit zurechtrücken möchte.

Ich habe bis zur Erschöpfung immer wieder betont: Vernetzung ist kein Inhalt, sondern eine Verfahrensweise; auch eine Strategie. Aber wo Propaganda vorherrschen darf, spielt weder die Semantik eine Rolle, noch ist offenbar der reale Lauf der Dinge von Belang.
Jüngster Schwank ins solchen Zusammenhängen: Mitteilungen sind eine Sache, es steht auf einem ganz anderen Blatt, was dann der Fall ist. Am 25. August hat mir Sigrid Hörzer vom Rathaus her bestätigt, daß sie unser Aviso für die Vernissage am 11. September („Positionen“) zuvor schon von Monika Lafer erhalten habe.

Am 27. August folgte das Mailing „Kulturgenuss in Gleisdorf“. Zitat: „Liebe Kulturinteressierte! Starten Sie mit uns in einen abwechslungsreichen Kulturherbst voller Konzerte, Kabaretts und Ausstellungen! Unser Tipp: Schenken Sie gemeinsame (Kultur-) Erlebnisse!“ Allerdings ohne Hinweis auf unsere Vernissage.
Mit dem heute nur noch in den Quartalen erscheinenden „Stadtjournal“ kam immerhin Neues von Kulturreferent Karl Bauer: „Was ist uns die Kultur wert?“ Darin folgende Passage, Zitat: „Als aktuelle Best-Practice-Beispiele möchte ich auf neue Privatinitiativen wie den Archipel – Verein für Gegenwartskunst oder die ARGE Kulturpakt…“ Na, was genau? Hinweisen?
Moment! Gibt es in der Gegend einen zweiten „Archipel“? Aber Nein! Damit waren schon wir gemeint. „Verein für Gegenwartskunst“? Nein. Unsere Website weist diese Formation als „Archipel – Forum für Kunst und Kultur“ aus. (Was also denkt sich da Karl Bräuer, äh Lauer, räusper, Schauer? Nein, Bauer!)
Was neu ist…
Und: neu? Nicht wirklich. Drei Jahre Wissens- und Kulturarbeit im Kielwasser des kulturpolitischen Kompetenzzentrums „Kunst Ost“, das rund 20 Jahr auf dem Tacho hat. Aber gut, bei all den einschlägigen Aktivitäten in der „Kulturstadt Gleisdorf“ könnte man doch glatt den Überblick verlieren.
Unsere archipelische Premiere Richtung Publikum hatten wir am Donnerstag, dem 19. September 2024, im großen Saal des Gleisdorfer „Forum Kloster“. Diese Saal war gut gefüllt, als wir auf die Bühne gingen. Das konnte man eigentlich nicht übersehen. Damals, 2024, hieß es: „Archipel – das neue Forum für Kunst und Kultur lädt zu seiner ersten großen Veranstaltung“: [Link]

Es gab bei „Kunst Ost“ außerdem eine gründliche Dokumentation des Werdens der Formation: „Dies ist das Logbuch des Vereins, dem Trägersystem für Archipel: Forum für Kunst und Kultur“: [Link]
Gibt es im Bezirk ein vergleichbares Projekt? Soweit ich weiß: nein. Was soll nun dieses andauernde Raunen von Vernetzung, wenn es nicht einmal mit der Wahrnehmung dessen klappt, was schon der Fall ist? Ich wünschte, im Rathaus würde die Arbeit von Leuten wie uns ernst genommen und damit achtsam umgegangen.
Wir sorgen für relevante Beiträge zu einem geistigen Leben, das bezüglich der Zukunftsfähigkeit des Gemeinwesens Relevanz hat. Es genügt nicht, sich damit zu schmücken. Politik sollte wenigstens in der Lage sein, das angemessen zu begleiten.
Postskriptum
Siehe zu diesem Thema auch meine Glosse „Kunst und Politik“, wo es heißt: „Ich habe als Künstler etwas sehr Markantes mit einem Politiker gemeinsam. Sachlich begründetes Prestige, dazu Sozialprestige, sind zentrale Werte, mit denen man vorankommt. Eine günstige Reputation ist wichtige Komponente eines Fundaments, auf dem jemand gedeiht; Künstler und Politiker gleichermaßen.“ [Quelle]