Gleisdorf: Der Lembacher-Faktor IV

Anläßlich unserer „Konferenz in Permanenz“ ließ Kulturreferent Karl Bauer wissen: „Seit einem Jahr ist Gleisdorf ein steirisches Zentrum des kritischen Dialogs zu aktuellen kulturpolitischen Fragen!“

Gleisdorfs Kulturpolitik: ein Mirakel.

Einen kohärenten Beleg dafür konnte ich bisher nicht finden. Nun bot Vizebürgermeister Harald Lembacher einen geeigneten Anlaß, um Sachkompetenz und Diskurskraft zu zeigen. Lembacher eröffnete den Gemeinderatswahlkampf 2030 jüngst mit einem Frontalangriff auf Gleisdorfs Kulturpolitik und fordert mehr Engagement für den Sport.

Bauer hat sich dazu öffentlich noch nicht eingehender geäußert. Kunst- und Kulturschaffende der Region sind offenbar auch darüber hinweggegangen. Lembacher ist vermutlich kein Experte in Sachen Kulturpolitik. Zumindest fehlen mir dafür die öffentlich auffindbaren Belege.

Er hat sich zwar mit altem Kulturgut geschmückt, um seinen Punkt pro Sport zu machen, den Text des römischen Dichters Juvenal aber nicht verstanden. Er hat außerdem als Gleisdorfer Politiker im Gleisdorfer Stadtjournal den Gleisdorfer Bürgerinnen und Bürgern etwas über das Budgetverhältnis zwischen Kultur und Sport mitgeteilt.

Dabei vergaß er zu erwähnen, daß er Budgets der Bundesebene meinte. Karl Bauer und Bürgermeister Christoph Stark stellten klar, daß es in Gleisdorf genau umgekehrt sei: Vereinsförderungen teilen sich bei uns zwischen Sport und Kultur im Verhältnis 3:1.

Das sind doch sehr lockere Vorgangsweisen für einen Stadtpolitiker, der gerne Bürgermeister werden will. Aber irgendwo muß kulturpolitische Kompetenz der Gleisdorfer FPÖ doch zu finden sein. Zum Beispiel auf der Website der Fraktion?

Geht es auch etwas konkreter?

„Gemeinderat Gilbert Kühn“ ist zwar kein Gemeinderat mehr, siehe: [Link], aber er fordert: „Die objektivierte Vereins-Förderung“. (Was immer in dieser Frage „objektiviert“ heißen mag.) Immerhin finde ich hier ein kulturpolitisches Statement.

Das lautet: „Förderung der einheimischen Künstler und der Volkskultur. Veranstaltungsmanagement: ‚weniger kann oft mehr sein!‘. Wichtig dabei: die Kostenkontrolle!“ [Quelle] Aber was meint er da bloß konkret? „Förderung“ ist ja eine trübe Kategorie. Welche Künstler und welche Volkskultur meint Kühn? Das erfahren wir nicht.

Es kann zum Beispiel meiner Meinung nach nicht Aufgabe der Kommune sein, Kunstproduktion zu finanzieren. Was aber genau die kulturellen Aufgaben der Kommune seien, hat mir bis heute auch Kulturreferent Karl Bauer nicht verraten wollen. (Wo könnte ich es nachlesen?)

Und dann Kühns Geniestreich: „Wichtig dabei: die Kostenkontrolle!“ Er sagt da ungefähr: „Das Wasser ist naß.“ Oder: „Der Papst ist katholisch.“ Jedes Gemeinderatsmitglied wäre vermutlich wegen einschlägigen Pflichtverletzungen sogar straffällig. Wer je eine Gleisdorfer Gemeinderatssitzung verfolgt hat, weiß über die Finanzgebarung, das Budget und die Kontrollvorgänge Bescheid. Möglicherweise aber nicht der Vizebürgermeister, der gerne Bürgermeister wäre. Vielleicht mag es ihm jemand erklären.

[Hegemonie: Themenübersicht]

Postskriptum
Für die FPÖ ist DI (FH) Markus Jackum im Kulturausschuß als Schriftführer tätig. Von ihm sollte Lembacher ja verläßlich Informationen erhalten können, was dort inhaltlich und budgetär konkret läuft. (Jackums Botschaft auf der FPÖ-Website: „Die Förderung der Feuerwehren mit einer modernen Ausrüstung muß entsprechend gewährleistet sein!!“)