Gleisdorf: Debattenkultur III

[Vorlauf] Wer auch immer die Session vom 16.6.2026 im Rathaus für eine Diskussionsveranstaltung hielt, ich habe dort etwas anderes erlebt.

Beuys zu Krusche im Zeitmaschinen-Geplänkel: „Wer nicht denken will, fliegt raus!

Eine Art der vergrößerten Sprechstunde, in welcher erregte Bürgerinnen und Bürger erstens ihre Sorgen und zweitens ihre Erwartungen vorgetragen haben. Was eben besorgte Leute eventuell so tun, die fordern, daß „der Staat“ Probleme lösen soll. Dazu brauchen Funktionstragende dann bloß ordentlich zuzuhören, sich vielleicht Notizen zu machen, um danach an die Arbeit zu gehen um die Probleme aus der Welt zu schaffen. War das so gedacht?

Von einer Diskussionsveranstaltung hätte dagegen ich erwartet, daß Menschen mit verschiedenen Standpunkten an so einem Abend zur Debatte stellen, was ihnen nach rund einem halben Jahr kulturpolitischer Krisenerfahrung an Lösungsansätzen durch den Kopf geht.

Ich hätte schlicht vorausgesetzt, daß Kräfte der Politik und der Verwaltung lokal etwas andere Prioritäten haben als jene auf der Landesebene. Dem gegenüber wäre anzunehmen gewesen, daß Kunstschaffende aus verschiedenen Genes erstens untereinander Auffassungsunterschiede haben, was nun vorrangig sei, zweitens gegenüber Politik und Verwaltung konkrete Vorschläge referieren würden, die man verhandeln könnte.

Verhandeln, das hieße zum Beispiel, erst einmal den Rahmen der konkreten Möglichkeiten zu skizzieren, um dann zu diskutieren, welche Themen und Schritte unter allen Beteiligten am meisten Zustimmung für höchste Priorität bekommen.

Folglich hätte man erstens konkrete nächste Schritte für jene Themen vereinbaren können, über deren Vorrang sich viele Beteiligte einig sind. Zweitens hätte man ersuchen können, daß einige Leute zusammenfinden, die eine Idee ausarbeiten, wie mit jenen Themen zu verfahren sei, die ebenfalls für wichtig gehalten werden, aber keine so hohe Priorität erhalten haben.

Das hielte ich für eine Diskussionsveranstaltung, bei der uns eine Moderation sicher nützlich gewesen wäre. Dagegen verlangt die vergrößerte Sprechstunde annähernd nichts von all dem. Dafür hätte man an Künstlerinnen und Künstler bloß Nummern für die Reihung der Wortmeldungen auszugeben brauchen, auf daß sie ihre Sorgen und Erwartungen in einer angemessenen Gesprächsordnung auf den Tisch des Festsaales stapeln können. Und dann? Ja, was dann?

+) Die 16.06.26-Session (Veranstaltungsübersicht)
+) Gleisdorf: Kulturpolitik