Eindringlinge und Aufdringlinge

Es gibt keine „positive“ oder „negative Kritik“. Dieses unscharfe Geschwätz aus Alltagsdiskursen verwischt bloß, was zu klären wäre.

Wollen sie diskurieren oder recht haben?

Es gibt Kritik, das heißt: ein Vergleichen. Und es gibt Bewertung, die einem Vergleich folgen kann. Sie haben eine Meinung, ich habe eine andere? Dann lassen Sie uns erst einmal feststellen, worin der Auffassungsunterschied besteht. Genau! Durch den Vergleich.

Danach kann es sein, daß die Bewertung der Positionen eine Rolle spielt. Oder auch nicht. Dissens vermag ja auch sehr anregend zu sein und ist in diesem Sinn nützlich . Er bewegt mich, meine eigene Position zu überprüfen, vielleicht zu präzisieren, vielleicht zu revidieren.

Das kann ich über einen Austausch von Argumenten herausarbeiten. Dabei hat es sich bewährt, zwischen Argumenten zur Sache und Argumenten zur Person unterscheiden zu können. Entscheidet sich jemand für Argumente zur Person, verzichtet auf Argumenten zur Sache, liegt der Verdacht mangelhafter Redlichkeit nahe. Da wäre mit Heidi Kastner zu fragen: „Möchten sie diskutieren oder recht haben“?

Wenn also Kritik bedeutet, etwas zu vergleichen, dann möchte ich erst einmal den Gedanken zitiert sehen, der in Frage gestellt wird. Dazu möchte ich die Quelle des Zitates erfahren, um überprüfen zu können, ob korrekt zitiert wurde. Erst dann interessiert mich der Einwand. Damit kenne ich die zwei Positionen, die verglichen wurden. Das ist Kritik. Die Bewertung dieser Positionen ist ein anderer Vorgang.

Wer mir demnach bloß eine Behauptung verkündet, sie aber nicht auf die beschrieben Art begründet, will nicht diskutieren, sondern recht haben. Wer daran festhält und etwa via Social Media in diesem Modus fortfährt, eine Überlegung oder Feststellung anzufechten, ohne sie mit Argumenten zu begründen, gehört für mich einer Liga der Trolle an.

Trolle sind in ihrem Verhalten dem Stalking in anderen Bereichen vergleichbar. Sie mißbrauchen Gemeinschaften, um sich mit nichts weiter als ihren Belästigungen Aufmerksamkeit und Zuwendung zu sichern. Was in der analogen Welt realer sozialer Begegnungen der Eindringling ist, das kennen wir im Web als Aufdringling.

In der Netzkultur gilt: „Don’t feed the troll!“ Jede Antwort ermutigt ihn zum Weitermachen. Es ist das Äquivalent zu dem, was in der analogen Welt gilt: „Jede Reaktion stellt die Stalking-Uhr auf null und alles beginnt von vorne.“

Das bedeutet, Sie können einen Troll/Stalker nicht zur Verhaltensänderung bewegen, weil jeder ihrer Kommunikationsakte zu dem zählt, was Aufdringlinge lukrieren möchten: Zuwendung. Sie können bloß aufhören, mit so einer Person zu kommunizieren.

+) Netzkultur (Ein Praxis-Feld)
+) Gleisdorf: Kulturpolitik