Der archipelische Modus

Manchmal kommt eine Frage an uns sehr lustig daher. Etwa diese: „Was hab ich davon, wenn ich beim Archipel Mitglied werde?“ Ich bin in diesen Dingen nicht rasend höflich.

Obmann Richard Mayr erläutert das Projekt „Mini Fabula“.

Daher muß meine Antwort lauten: „Du hast nicht verstanden, was wir machen.“ Wir hatten im Vorstand schon den Versuch unternommen, für solche Momente ein Informationsblatt zu verfassen. Ergebnis: Ein Gespräch eignet sich besser.

Weshalb?
Wir pflegen ein komplexes und dynamisches Vorgehen. In unserem Vorstand wirken extrem unterschiedliche Persönlichkeiten. Es ist eine kollektive und prozeßhafte Praxis der Wissens- und Kulturarbeit.

Der Archipel ist keine Art Pauschalreisebüro für Kreative, die sich freuen, wenn ihnen jemand ein Publikum heranschafft. Für derlei Zwecke gibt es das Genre Kulturmanagement. Und falls jemandes Marktwert wie Medienwert gleichermaßen erheblich sind, läßt sich damit ein Umsatz generieren, aus dem man die Kulturmanagement-Arbeit bezahlen kann. Wir aber sind engagierte Kunstschaffende, denen etwas an einem geistigen Leben von Belang liegt. In diesem Sinn arbeiten wir an Themen, woraus sich unter anderem auch Veranstaltungen ergeben.

Die Basis aller archipelischen Vorhaben: Inhalte, Inhalte, Inhalte. Und Gespräche.

All das im Kontrast zu einem alten Modus, der im vorigen Jahrhundert Furore gemacht hat: Man betont die Wichtigkeit von Kunst und Kultur, macht entsprechende Lobby-Arbeit und lukriert öffentliche Gelder für Kunstprojekte. Wer aktuell auf diese Art einen staatsnahen Betrieb aufzieht, der als „autonome Kulturinitiative“ kostümiert wird, hat meine Glückwünsche.

Aber was nun?
Wie erwähnt, wir sind im Vorstand des Archipel sehr unterschiedliche Charaktere. Also spreche ich hier nur für mich. Was der Archipel ist, ergibt sich aus einer komplementären Verbindung der verschiedenen Auffassungen und Vorgangsweisen, sie sich miteinander abstimmen lassen.

Ich habe den Archipel als eine konzeptionelle und strategische Antwort auf die zwei Krisen der jüngeren Vergangenheit geprägt. Da war 2008/2009 eine Weltwirtschaftskrise, 2020 kam Corona. Jedes Mal gab es harte Schläge für den Kulturbetrieb. Wir wußte also, worauf wir uns in Fragen von Kunst und Kultur vorbereiten müssen. Dazu gibt es Anfang Juli eine spezielle Session für Interessierte.

Konferenz in Permanenz:
„Wie funktioniert der Gleisdorfer Archipel“?
Samstag, 4. Juli 2026, 15:00 Uhr
Im Rahmen der Ausstellung „Böhmen liegt am Meer
Vormalige k.k. Poststation, Hauptplatz 15, 8200 Gleisdorf

Das handelt von Fragen wie diesen: Was heißt „autonome Kulturformation“? Welche Kunstbegriffe stehen zur Debatte? Wie kommt es zu archipelischen Projekten? Wodurch bringen wir die drei Sektoren Staat, Markt und Zivilgesellschaft in Wechselwirkung?

Nach einem Impuls-Statement von Martin Krusche können sie mit einigen versierten Kräften dieser Formation ins Gespräch kommen. Die Basis-Themen, von denen wir ausgehen: Architektur des Archipels, kulturpolitische Strategie, Praxis des Archipels.

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