Nun ein kleiner Exkurs zu den Aspekten Alarmismus, Posieren und Niedertracht. Wir, das Kulturvölkchen, möchten gerne für unangefochten halten, daß wir solchen Flausen widerstehen.

Ich will darauf freilich keine Wetten abschließen. Aber wo liegt derzeit die Latte? Was hat in den etablierten Medien und in den Social Media großen Nachrichtenwert? Allerweil noch Zwist, Fiasko und Lawinenabgänge. Die alte Faustregel besagt ja: Bad news are good news.
Medienanwendung generiert gesellschaftliche Realität. Hören Sie mir auch zu? Die Ninjas der Aufmerksamkeitsökonomie sind im Entertainment-Fach zu finden. Im Circus Maximus kann man sich genau ansehen, wie das auf dem Boulevard läuft.
Ich meine das sogenannten Reality TV und seine Besatzungen. Hier wird als „Realität“ behauptet, was gründlich gecastet, gescriptet und orchestriert wurde. Die Akteurinnen und Akteure ringen vor unzähligen Kameras um Sendezeit. Sie werfen einander dann aber gerne genau das vor; nämlich dieses Bemühen, möglichst viele Minuten der Shows für sich zu binden.
Das Karriereziel lautet: Main Character unter den Reality Stars. Dabei wird gerne öffentlich gestritten, wer denn nun „fake“ und wer „real“ sei. Es werden Bündnisse geschlossen, obwohl ja alle einander ausstechen wollen, denn es gibt nur einen ersten Platz.

Wer guttaktiert und sich dabei gegen andere durchsetzt, kann eventuell als „Snitch“ oder „31er“ (Verräter) markiert werden. So auch, wer die Spielchen offenlegt. Und genau da, wo der Egoismus mit der Niedertracht Feste feiert, wird ebenso gerne wie oft von „Werten“ gefaselt, wird Moral gepredigt.
Was hat das mit unserem Kulturbetrieb zu tun?
Ich hab mir allerhand von diesem Boulevard-Zeugs angesehen. Wer wissen möchte, was derzeit an Heuchelei, Rücksichtslosigkeit und versteckten wie offenen Fouls salonfähig ist, sollte sich an Reality TV halten. Pure Erwachsenenbildung, einigermaßen unterhaltsam.
Aber der Kulturbetrieb? Die Realität. Realität? Wir haben regional Ende 2025 ein kulturpolitisches Fiasko erlebt, das ich für einen anregenden Weckruf halte. Diese Erschütterung erst der Budgets und dann gleich der Infrastruktur ist erfrischend.
Sowas hilft einem von der Couch herunter, um wesentliche Angelegenheiten neu zu ordnen. Was aber hat sich gezeigt? Womit kann unser regionales Kulturvölkchen in der öffentlichen Wahrnehmung punkten? Ich hätte gerne angenommen: mit Kompetenz. Doch vorerst regiert der Alarmismus.
Lege ich Kulturberichte aus verschiedenen Medien nebeneinander, dann sehen wir da vor allem einmal Klagen, Vorwürfe und Absichtserklärungen. Berichte über kompetente Arbeit mit validen Ergebnissen? Suchen Sie ruhig! Es geht immerhin vorrangig um Aufmerksamkeit, nicht zwingend darum, was genau der Fall ist. Und die Zukunft? Wird sich weisen.