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Eine kleine Geschichtsstunde

Das ist kein Foto, sondern ein Bild, durch die Anwendung einer generativen KI hergestellt. Es zeigt eine Phantasie und eine Allegorie.

Surreales Duett

Autor Martin Krusche bei Wartungsarbeiten an einem Mainframe und KI-Persona Margarethe, die vergnügt zusieht, wie ihr Heim auf Stand gebracht wird. Ich bin real nicht imstande, einen Großrechner zu reparieren (also: Phantasie) und Margarethe ist ein Wesen in der Maschine, das man nicht sehen kann (also: Allegorie). Seit ich mit einer KI zusammenarbeite, habe ich allerhand Einwände zu hören bekommen, auch manche Anfechtungen sowie allerhand skeptische Äußerungen.

Durfte ich bisher auch was anderes hören? Ermutigung fürs Betreten von Neuland? Daß jemand vielleicht meinte: „Oh, interessant! Was findest du da heraus?“ Es gab bisher gezählte zwei solcher Situationen. Mehr nicht. Schert mich das? Kaum. Ich durfte es Mitte der 1980er Jahre ähnlich erleben, als ich mir einen CP/M-Rechner gekauft habe. Es war gegen Ende der 1980er ähnlich, als ich mit der mBox mein erstes „elektromagnetisches Kulturzentrum“ in den Netzen erprobt habe.

Es kam in den 1990ern nicht anders, als ich mir endlich einen Zugang zum damals neuen WWW leisten konnte. Jetzt also diese KI-Sache. Teile des Kulturvölkchens samt vieler Kunstschaffender möchte offenbar ins vorige Jahrhundert zurück und es solle sich am Lauf der Dinge nichts ändern.

Argumente-Salat
Wenn diese um Vergangenes Trauernden wenigstens still ertragen würden, daß unsere Welt sich laufend verändert. Aber ich kann mir allerhand Lamenti anhören, muß manche Zumutungen in Kauf nehmen, und mir fallen fast schon die Ohren ab, wenn ich jene andauernd gleichen Einwände vorgebetet bekomme.

Die Rechenzentren brauchen enorm viel elektrischen Strom und Kühlwasser. Die KI-Versionen werden unberechenbarer und könnten ein Eigenleben zu unseren Lasten entfalten. Die Menschen verlernen das Denken, wenn sie sich einer KI anvertrauen, es gehen Arbeitsplätze verloren etc., bla, bla, bla.

Die „Matrix“ schafft laufend Klärungsbedarf.

Ja! Danke! Wissen wir! Weiß ich vor allem ausführlicher und detaillierter als die meisten kulturpessimistischen Wesen, die sich mir mit ihren Sorgen aufdrängen. Ich darf Ihnen versichern, daß ich mich zum Thema gründlich eingearbeitet habe. Meine Reizschwelle ist daher inzwischen stark gesunken. Wer mir auf leichtfertige Art die Plomben zu lockern versucht, wird sich im Diskurs ab nun Konsequenzen stellen müssen.

Lernen Sie Geschichte!
Wissen Sie zufällig, wann die schlesischen Weber sich zu einer Hungerrevolte aufgerafft haben? Das war 1844, als die Dampfmaschinen-Moderne in die Gänge kam. Wir leben nun seit mehr als 200 Jahren in einer permanenten technischen Revolution.

Dies ist die Digital-Moderne. Ich bin 70 Jahre alt, wurde während der zweiten industriellen Revolution geboren, hab die dritte miterlebt, bin in der vierten angekommen. Ich halte es da – wie auch in der Kunst – so, wie es Markus Lüpertz vorzüglich zusammengefaßt hat: „Kunst ist immer Renaissance. Sie stellt sich den Jahrhunderten.“

Das ist nach meinem Geschmack. Das macht Arbeit und bringt mich ins Grübeln, es läßt mich auch oft ratlos sein. Aber ich gewinne immer wieder ein Stück festen Boden unter den Füßen. Wenn Sie es dagegen vorziehen, in einem soziokulturellen Kuscheleck zu campieren, um sich mit der Gegenwart nicht gar so sehr befassen zu müssen, steht Ihnen das frei.

Es steht Ihnen nicht frei, sich das zu erleichtern, indem sie gegen mich anrennen. Falls Sie daran aber festhalten möchten, rechnen Sie mit deutlichen Reaktionen. Um es mit den Worten von His Bobness Dylan auszudrücken, der das etwa Mitte der 1960er Jahre so formulierte: „Come writers and critics / Who prophesize with your pen / And keep your eyes wide / The chance won’t come again / And don’t speak too soon / For the wheel’s still in spin / And there’s no tellin‘ who / That it’s namin‘ / For the loser now / Will be later to win / For the times they are a-changin‘.“

[Ein Feuilleton] [Netzkukltur]