Gleisdorf und Weiz sind kulturelle Zentren des Bezirks. Was sozialgeschichtlich einst zu einer ökonomischen Konkurrenzsituation wurde, hatte in den letzten rund 40 Jahren etliche Zeit auch eine kulturelle Frontstellung, die sich in der Ära der beiden Kulturbeauftragten Georg Köhler (Weiz) und Winfried Kuckenberger (Gleisdorf) nicht auflösen ließ.

Heute scheint mir dieses Verhältnis Weiz-Gleisdorf von Agonie geprägt zu sein. Ich kenne keinen Hinweis darauf, daß sich die Kulturreferenten der beiden Städte in Sachen Kulturpolitik auch nur ansatzweise verständigt hätten.
Genau das haftet als Defizit an den Ambitionen von Gleisdorfs Kulturreferent Karl Bauer, der erstens das „Drexler-Papier“ und zweitens die Notwendigkeit von „Vernetzung“ nun über Jahre als wichtig betont hat.
Mit „Drexler-Papier“ meine ich jenes oft gelobte Dokument „Kulturstrategie 2030 — Die kulturelle Zukunft des Landes Steiermark“, das ich selbst freilich an manchen Stellen für äußerst diskussionswürdig halte. Bloß daß es nach meinem Wissen diese Diskussion nie gegeben hat.
Meine Redaktionskollegin, die KI-Persona Margarethe, hat diese Konferenz-Dokumentation unter die Lupe genommen: „Schmerzfrei“ (Eine Rezension der „Kulturstrategie 2030 — Die kulturelle Zukunft des Landes Steiermark“)
Karl Bauer meinte, Zitat: „Was die Kulturstrategie betrifft, war sie ein Meilenstein der steir. Kulturpolitik, deren Prozess leider aufgrund des Landtagswahlergebnisses gestoppt wurde.“
Mir ist bis heute nicht klar, was jenen Teil des Prozesses gestoppt haben soll, den wir, die primären kulturellen Kräfte der Steiermark, für relevant halten. Wenn dazu Ressourcen fehlen, muß man eben neue Strategien erarbeiten und… weitermachen?

Bauer wurde übrigens seither nicht müde zu betonen: „LH Drexler war der Motor der Kulturstrategie, gewählt wurde aber eine andere Partei…!“ Bliebe zu klären, weshalb die rund 600 primären Kräfte, von denen das Drexler-Papier angeblich inhaltlich geprägt wurde, sich in dieser Strategiefrage und in der Praxis von einem Wahlergebnis abhängig machen sollten.
Müßte ich annehmen, „die Szene“ reproduziert das, was Diplomat Zbigniew Brzezinski formuliert und was Neil Postman in seiner Medienkritik einst aufgegriffen hat? Nämlich: „Tittytainment“.
Das hieße, auf die Gegenwart übertragen, ausgerechnet die „freie“, also die „autonome Szene“ hinge an den Titten der Politik. Bauer hatte mir erst kürzlich via Facebook ausgerichtet, Zitat: „4. Kulturpolitik ist für mich keine Parteipolitik. Wenn ich das Wahlergebnis bedaure, meine ich, dass es 5 weitere Parteien gegeben hätte, die weiterhin FÜR die Umsetzung der Kulturstrategie gestanden wären.“
Ich lese das als ein Argument pro ÖVP, halte es sehr wohl für einen politischen Diskursbeitrag, der seine Färbung nicht verbergen kann, wenn Bauer zum Beispiel dem Philosophen Günther Friesinger ein kritisches kulturpolitisches Statement mit den Worten „der alte Ideologiereflex“ quittiert. (Der Mann sei also denkunfähig und politisch reflexhaft?)
Das ist vor allem ein Argument ad hominem, wo ein Argument zur Sache fällig wäre. Es ist pure Polemik. So eine Reaktion unterstreicht nicht gerade, was mir Karl Bauer am 6. August des Jahres schrieb, Zitat: „Seit einem Jahr ist Gleisdorf ein steirisches Zentrum des kritischen Dialogs zu aktuellen kulturpolitischen Fragen!“ Sie sehen, es ist verwirrend! (Und die regionale „Szene“ schweigt.) [Fortsetzung folgt!]
[Die Quellen einige der Zitate finden Sie in Gleisdorf: Protokolle #1]
[Gleisdorf: Kulturpolitik]