Gleisdorf: Camping im Jammertal

Elfriede Scharf hatte ihre Community mobilisiert, dazu die IG Kultur und die Kampagne „Kulturland retten“, um am 21. März 2026 in Gleisdorfs Rathaus gemeinsam zu beklagen, was auf allen Seiten versäumt wurde.

Zwei Gemeinderatssitzugen machten deutlich wo die „Kulturstadt“ angekommen ist.

Auf allen Seiten? Versäumt wurde etwa von der zivilgesellschaftlichen Basis, vorab ein kulturpolitisches Strategiepapier zu publizieren oder wenigstens eine Absichtserklärung, wie man in der „Szene“ auf die akuten Probleme zu reagieren gedenke. Weshalb wäre sowas wichtig?

Eine simple Metapher: Wenn ich starten möchte, gebe ich das Wunschziel in mein Navi ein, statt zu notieren, wo ich nicht landen möchte. Pragmatisch: Wenn ich im Gemeinwesen eine größere Bewegung bei Ressourcen und Strukturen erreichen möchte (also Geld, Gebäude, Arbeitskraft), sollte es mir gelingen, daß eine taugliche Verständigung zwischen Sach- und Machtpromotoren zustande kommt.

Rundum kein Plan?
Ich finde auch nach der Veranstaltung keinerlei Resümee, keine Resolution, noch immer kein Strategiepapier, bloß etwas Pose (KULM: „Erhobenen Hauptes gegen den kulturellen Niedergang“) und einen Zeitungsbericht aus den eigenen Reihen, nämlich von Andreas P. Tauser: [Link] Falls das nun alles war, was an Kommunikation zwischen den Sach- und Machtpromotoren gelingen konnte, wird es nicht einmal für einem Lösungsansatz reichen.

Kurioses Detail, im Text heißt es: „Karl Bauer, Gemeinderat und Obmann des zuständigen Ausschusses, stellte sich gemeinsam mit Gemeinderätin Adelheid Berger der Kritik und den Fragen…“. Aber anscheinend hat niemand gefragt, wie es denn möglich sei, daß in dieser brisanten Situation, von der nun spätestens seit November 2025 alle Betroffenen wissen mußten, bis heute keinerlei Stellungnahme vom Gleisdorfer „Ausschuss für Kultur, Marketing, Tourismus und Internationales“ gekommen ist.

In der „Szene“ ist die Themenführerschaft offebar nicht zuhause.

So auch nichts Generelles vom Gemeinderat, dem Berger (Grüne) angehört. Noch nicht einmal ihre Parteikollegin Katharina Schellnegger, Kulturausschuß-Mitglied und immerhin Vizebürgermeisterin (von Beruf Kulturmanagerin), hat sich bis heute zur akuten Konfliktlage geäußert.

Wäre noch einzurechnen, daß im Rathaus sogar Kulturreferent Karl Bauer (ÖVP) in einige Entscheidungsprozesse nicht eingebunden war und sich daher von den Beschlüssen etwas brüskiert fühlte. Daraus schließe ich, es gibt hier vorerst überhaupt keine tragfähige Verständigungsbasis zwischen Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft. (Da kann ich mein Anliegen auch gleich in ein Sackerl reden und es jemandem vor die Tür stellen.)

Kulturpolitische Geisterfahrerei
Ergo muß wohl einiges an Grundlagen überhaupt erst geschaffen werden. Es bleibt offensichtlich, daß in dieser Problemlage alle direkt Betroffenen (zu denen ich nicht zähle) über Monate in einer Art Blindflug aneinander vorbeigegeistert sind, ohne miteinander das Geringste an nützlicher Kommunikation zu schaffen. So auch an der zivilgesellschaftlichen Basis.

Protestakt-Initiatorin Elfriede Scharf zählt seit Jahren zum Top Establishment des „Kulturpakt Gleisdorf“, dessen Grundsatz lautet: „Der Kulturpakt Gleisdorf hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kräfte der Region zu bündeln und durch eine gemeinsame Plattform sichtbar zu machen.“ [Quelle]

Was meint Top Establishment? Die öffentlichen „Kulturförderungsberichte Steiermark“ belegen, daß die Kommune für „Kunst- und Kulturimpulse in der Region Gleisdorf“ von 2013 bis 2024 insgesamt € 282.500,00 an Landesgeldern bezogen hat, zusätzlich für „Kulturelle Impulse im Seminar- und Veranstaltungszentrum“ € 44.700,00. Parallel dazu erhielt das „Figurentheaterfestival Gleisdorf“ im gleichen Zeitraum € 24 578,16. [Quelle]

Für manche Menschen offenbar eine überraschende Mitteilung.

Frage
Hätte man erwarten können, daß in diesem Zusammenhang nicht bloß Programm gefahren wird, sondern auch jemand über die kulturpolitischen und budgetären Bedingungen nachdenkt, auf daß die Nutznießer dieser Landesmittel in guten Zeiten eine Strategie entwickeln, mit der man das ganze Gefüge auch durch eine schwierige Zeit lenken kann, ohne den Betrieb gegen die Wand zu fahren? Das ist offenbar nicht geschehen.

+) Gleisdorf: Kulturpolitik (Übersicht)

Postskriptum
Falls nun jemand fragt: „Und du so?“… Ich bin mit einigen Leuten einen völlig anderen Weg gegangen. Wir hatten Mitte 2023 einen machbaren Ansatz für unseren „Archipel“ gefunden, haben dann über einen arbeitsintensiven Entwicklungsprozeß 2024/25 ein Modell der Best Practice etablieren können, das tatsächlich autonom ist. Laufende kulturpolitische Arbeit ist bei uns Standard. Siehe: [Link] Außerdem hier unsere 2026er Projekt-Schwerpunkte:
+) Mini Fabula
+) Die Tangente