Ein wesentlicher Bereich des kulturellen Engagements in einem Gemeinwesen ist an Menschen adressiert, die ihre Freizeit genießen und dabei ihre Lebensqualität aufwerten möchten. Dafür gibt es allerhand kulturelle Angebote.

Als Thomas Wieser in der Kleinen Zeitung jüngst über die Gleisdorfer Situation berichtete, zitierte er dabei eine regionale Akteurin mit folgendem Satz: „Ist es künftig nur mehr einer Elite vorbehalten, Kultur zu genießen?“ [Quelle]
Das illustriert eine populären Denkfehler, in dem Kultur und Kulturbetrieb verwechselt werden. Aus unserer Kultur kann mich niemand ausschließen und „Kultur genießen“ ist mir natürlich immer möglich; je nach Bezugssystem. Ich kann genießen, was gerade angeboten wird. Ich kann auch selbst aktiv werden und mich mit anderen Leuten verständigen, verbünden.
Das war schon seinerzeit in einer ständischen Gesellschaft so, als zwischen Aristokratie, hohem Klerus und einer Masse von Subalternen eine enorme soziale Distanz bestanden hatte. Wer von traditioneller Volkskultur eine Ahnung hat, weiß auch, wie hoch stellenweise das Niveau mancher Beiträge jenseits der höfischen Kultur sein konnte; innerhalb der jeweiligen Referenzsysteme.
Betriebsformen
Im heutigen Kulturbetrieb gibt es freilich Felder, da sind die Zugangsschwellen sehr viel höher als bei den übrigen Bereichen. Außerdem dient Kultur als „Distinktions-Maschinerie“, wo selbstverständlich manche Inszenierungen soziale Schranken aufbauen, ein Drinnen vom Draußen unterschieden wird, ein „Wir und ihr“.
Aber das ist in subkulturellen Bereichen nicht anders. Da muß eben in kulturpolitischen Diskursen jeweils geklärt werden, welche Schwellen mit welcher Begründung abgesenkt oder abgetragen werden mögen. (Begründen statt verkünden!) Außerdem brauchen wir eine aktuelle Diskussion, was genau die kulturellen Pflichten einer Kommune seien, was andrerseits privat geleistet werden muß.
Genau diese Debatte erhielt 1979 eine bedeutende Markierung, als Hilmar Hoffmanns Buch „Kultur für alle: Perspektiven u. Modelle“ erschienen ist. Ich hatte das vor fast einem Jahrzehnt bei einem unserer Kunstsymposien thematisiert. Das trug den Titel „Artist is Obsolete“.

Dabei dieser Rückblick „Zehn Jahre“, der sich auf 2007-2017 bezog. Dort finden Sie auch Patrick Schnabl mit Hilmar Hoffmanns „Kultur für alle“ in Händen. (Schnabl ist Leiter der „Abteilung 9 Kultur, Europa, Sport“ des Landes Steiermark.)
Wir befinden uns gerade in einer globalen Zeitenwende und mitten in der Vierten Industriellen Revolution. Auswirkungen dieser Kräftespiele erreichen heute auch das letzte Dorf im hintersten Graben. Daraus schließe ich, daß wie Europa neu denken müssen und in der Kulturpolitik neue Fragen finden sollten, um in Sachen Zukunftsfähigkeit voranzukommen. Das gelingt sicher nicht, indem wir Denkweisen aus dem vorigen Jahrhundert weiterschreiben.
Damit will ich vor allem sagen, daß die Debatten über eine „Kultur für Eliten“ längst erledigt ist und die alte Dichotomie „Volkskultur/Hochkultur“ verstaubt im Museum liegt. So läßt sich die heutige Situation nicht mehr erklären.
+) Gleisdorf: Kulturpolitik (Übersicht)
Weiterführend
+) Wissens- und Kulturarbeit (Akzente abseits des Landeszentrums)
+) Die Mechanisierung der Welt (Die industriellen Revolutionen)
+) Praxiszone Dorf 4.0 (Kunst, Wirtschaft und Wissenschaft)