Ich hatte in der vorangegangenen Glosse notiert: „Nun trennt uns in Gleisdorf noch rund eine Woche von jenem Arbeitstreffen, bei dem der aktuelle Status quo in Gleisdorfs Kulturpolitik zur Debatte stehen soll.“

Das war unter anderem auf ein Statements von Kulturreferent Karl Bauer bezogen. Der schrieb am 29.1.26 auf Facebook: „Ja, es gibt eine Kulturkrise, aber wir müssen professionell damit umgehen.“
Dieses Arbeitstreffen vom 9. Februar liegt nun hinter uns. Ich bin der Ansicht, es hat eine Ära geendet. Das finde ich passend für diese Zeit des globalen Umbruchs; im Sinn von: keineswegs überraschend.
Ich habe beim Arbeitstreffen von der Basis her unter anderem die Klage gehört, daß Kunst- und Kulturschaffende von der Kommune nicht angemessen früh über die lokalen Veränderungen informiert worden seien. Meine Ansicht: Spätestens mit dem zweiten Corona-Lockdown mußte klar sein, daß dieser Moment kommt. Die einzig brisante Frage lautete dazu nicht ob das so kommt, sondern wann.
Wäre der „Kulturpakt Gleisdorf“ das behauptete Vernetzungsinstrument gewesen, hätte genau das ein Thema und Arbeitsinhalt von hoher Priorität sein können. Aber: nichts. Kunst- und Kulturschaffende hätte sich das auch von sich aus vornehmen können. Aber: nichts.
Beim erwähnten Arbeitstreffen waten alle drei Sektoren vertreten: Staat (Politik & Verwaltung), Markt (Wirtschaftstreibende) und Zivilgesellschaft (reale Personen & Rechtspersonen = Vereine). Ich hätte erwartet, es kämen ein paar unaufgeregt verfaßte Befunde auf den Tisch: „Wo stehen wir und was genau ist der Fall? Welche Problemlage muß bearbeitet werden?“
Danach hätte ich mit gerne angehört, was es in den jeweiligen Sektoren an konkreten Handlungsplänen gibt. Dazu gehört die Offenlegung: „Welche Themen halte ich derzeit für vorrangig? Man kann ja nicht alles zugleich bearbeiten.“ Somit wären Inhalte zur Sprache gekommen. Das hätte mir ermöglicht, in der großen Runde die eine oder andere Person zu erkennen, mit der mich Kooperation interessieren würde.
Das wäre die erste Basis einer denkbaren Vernetzung. Es ist in einem Aspekt besonders wichtig. Ich bin seit 1975 aktiver Teil des heimischen Kunst- und Kulturgeschehens. Daher meine Überzeugung: Ein taugliches „Wir“ entsteht niemals durch Zuruf und Verordnung, sondern nur durch gemeinsames Tun.
Es gibt daher auch keine „Szene“ und keine Solidarität Kulturschaffender, die je über lokale und zeitliche Grenzen hinausgereicht hätte. Wäre noch ein Bonmot zu bedenken, das da lautet: „Wer Teil des Problems ist, kann kein Teil der Lösung sein.“
Unsere Kulturformation, der „Archipel“, war bei jener Session breit vertreten, um einen tauglichen Eindruck zu gewinnen, wo dieses Milieu, wir, das Kunstvölkchen, derzeit steht. Ich bin neugierig, was nun kommt, falls erkennbar nächste Schritte gemacht werden; genauer: wie sich dabei Eigenverantwortung ausdrückt.
+) Gleisdorf: Kulturpolitik (Übersicht)
Wir? Der Archipel
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