Kontor: Krisenbewältigung

Im Bemühen um ein kulturelles Engagement auf der Höhe der Zeit, das auch kulturpolitisch verhandelbar ist, wird man seine Vorstellungen und Erwartungen explizit begründen müssen.

Alles Kulturgeschehen beginnt miot privater Initiative.

Ich kann mir kein politisches Gremium vorstellen, welches auf Forderungen eingehen möchte, ohne daß diese Ansprüche ausdrücklich begründet wurden. Einen der fundamentalen Zusammenhänge dieser Vorgänge habe ich in meiner „Zechner-Notiz“ formuliert: „Es geht dabei um die Qualität eines geistigen Lebens, ohne das etwa die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft schlicht verdorrt.“ [Quelle]

Das verlangt folglich nach einem Konzept, in dem nachvollziehbar ist, wofür genau die geforderten Mittel verwendet werden sollen. Ein kulturpolitisches Fordern braucht diskussionswürdige Ziele, benötigt Strategie und Taktik. Ein Kulturreferat, in dem sowas nicht abgefragt wird, riskiert Fahrlässigkeit.

Wo aber die Höhe der Zeit liegt, muß meiner Meinung nach überhaupt erst erkundet und geklärt werden. Wo Leute in Kunst und Kultur nach Verhältnissen verlangen, wie sie vor den großen Krisen der 2000er Jahre geherrscht haben, liegt sie garantiert nicht.

Wendepunkte
Was meint das? Die Ära von zirka 1975 bis 2000 war von der Entwicklung eines soziokulturellen Feldes geprägt, in dem bemerkenswerte Innovationen möglich wurden. Das vollzog sich unter sehr günstigen Budgetbedingungen und mit staatlicher Kofinanzierung, die man in anderen Ländern nicht kennt.

Die Ära von zirka 2000 bis 2025 ließ unübersehbar erkennen, daß verschiedene Krisenmomente es unmöglich machen, zu jenem Status zurückzukehren. Das war 2010 massiv, als der Sozial- und Kulturbereich hart von den Konsequenzen der damals jüngsten Weltwirtschaftskrise (2008/2009) getroffen wurden.

Genau damit durften wir freilich 2020 schon im ersten Corona-Lockdown rechnen: Es wird diese beiden Bereiche erneut hart treffen. (Nur ein Agent der Blödheit konnte annehmen, das bliebe uns erspart.) Im Februar 2022 überfiel Rußland die Ukraine. Im Februar 2026 griffen die USA und Israel den Iran an. Daraus entstandener Druck auf die Weltwirtschaft ist nur einer der belastenden Faktoren, die auch Österreich betreffen.

Ich erwähne das, weil ich überzeugt bin, daß vollkommen bewußtlos gehandelt hat, wer in den Bereichen Kunst und Kultur all diese Zeichen ignorieren mochte; im Verzicht auf eine inhaltliche und strategische Vorbereitung für das, was sich abgezeichnet hat und was nun der Fall ist.

Wer heute auf all diese Effekte bloß mit schönen Wirten, mit avancierter Sprücheklopferei, reagiert, wird sehr wahrscheinlich von der Bildfläche verschwinden. Mit Bequemlichkeit ist in diesen Zeiten nicht voranzukommen. Falls nun jemand meint: „Und du so?“, lautet meine Antwort: Unser „Archipel“ ist Ausdruck der inhaltlichen und strategischen Reaktion auf jene Zeichen. Wir kommen voran. Läuft!

[Kontor Krusche]

+) Archipel: Forum für Kunst, Kultur und Bildung